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Interesse nimmt zu – Landwirtschaft zum großen Teil auditiert – Dumeco eingestiegen

Agrarzeitung Ernährungsdienst 6. November 2004; Von Bernd Springer, Frankfurt a.M.

Das QS-System hat sich innerhalb von drei Jahren zum weltweit größten Qualitätssicherungssystem für Lebensmittel entwickelt. Durch die Integration des Einzelhandels besitzt das System ein Alleinstellungsmerkmal. Im Gespräch mit der Agrarzeitung Ernährungsdienst erläuterte Geschäftsführer Dr. Hermann-Josef Nienhoff den Stand der Entwicklung und äußerte sich zu Zukunftsplänen.

Wie ist die Beteiligung der Landwirtschaft am QS-System Fleisch und welche Steigerung erwarten Sie?

Nienhoff: Mit Stand 1. Oktober dieses Jahres haben wir knapp 46.000 landwirtschaftliche Betriebe, die für das QS-System auditiert sind. Bei der Schweinemast kommen wir auf rund 11.500 reine Mastbetriebe und gut 4.300 kombinierte Ferkelerzeugung/Mastbetriebe. Dies entspricht etwa 70 Prozent der in Deutschland produzierten Schlachttiere. Mit gut 8.700 reinen Ferkelerzeugerbetrieben und den Kombinationsbetrieben wird eine Abdeckung von etwa 65 Prozent des Bestandes in diesem Bereich erreicht. Beim Geflügel erreicht QS eine Abdeckung von etwa 80 Prozent der Mastplätze, wohinter knapp 1.00 Betriebe stehen. In der Rindermast werden 50 Prozent der Jungbullen und 65 Prozent der Mastkälber innerhalb des QS-Systems produziert. Von den MilchviehBetrieben sind zunächst nur 20 Prozent der Bestände zur Vermarktung der Schlachtkühe innerhalb des Systems eingebunden.

Wir haben auch Beteiligungen aus den Niederlanden, wo Dumeco Systemteilnehmer geworden ist und 1.500 Betriebe gebündelt hat. Wir sind auch in intensiven Gesprächen zur Anerkennung der Qualitätssicherheitssysteme in Dänemark und in Belgien. Hier dürften die Gespräche mit Certus und Belpork kurz vor dem Abschluss stehen. Hier sind wir noch in der Prüfung, ob die Kontrollen, die dort durchgeführt werden, vergleichbar mit unseren Anforderungen sind.

Ziel von Niederländern, Dänen und Belgiern ist doch die Belieferung des deutschen Marktes mit QS-Fleisch?

Nienhoff: Wir wollen Warenflüsse ermöglichen. Voraussetzung dafür ist, dass in anderen Ländern Qualitätssicherheitsprogramme konsequent auf dem gleichen Niveau durchgeführt werden. Doppelauditierungen sollen dabei möglichst vermieden werden. Zunächst geht es in der Hauptsache um Schweinefleisch und daher in Richtung deutscher Markt. Für später ist aber eine Gegenseitigkeit angestrebt.

Sowohl die Schlachtbetriebe in Deutschland sind an Schlachtschweinen aus diesen Ländern interessiert, als auch die Verarbeitungsbetriebe an Hälften und Teilstücken. Auch die deutschen Landwirte brauchen den Bezug von Ferkeln, die QS-fähig sind. Wir benötigen jährlich immerhin 3 Millionen Ferkel aus den Nachbarländern. Und schließlich ist auch der Einzelhandel interessiert, ausreichende Mengen QS-Fleisch einkaufen zu können.

Welche Bedingungen werden an eine Anerkennung von anderen Systemen geknüpft?

Nienhoff: Das lässt sich am Beispiel Niederlande am besten erklären. Dort streben wir an, dass Betriebe, die durch IKB anerkannt sind, auch die QS-Anerkennung erhalten können. Voraussetzung dafür ist, dass es ein neutrales Prüfinstitut gibt, das nach EN 45011 anerkannt ist, dass Kontrollen in der entsprechenden Häufigkeit durchgeführt werden und die Kriterien vergleichbar sind. Dazu ist aber ganz wichtig, dass wir einen Datenaustausch realisieren können – und dies auch in besonderen Krisenfällen. Es muss ein abgestimmtes Krisenmanagement geben. Wir müssen die Rückverfolgbarkeit bis in die niederländischen Betriebe sicher– stellen. Wenn dies alles realisiert ist, dann brauchen wir nur noch die Stammdaten der Betriebe, um sie in QS zu integrieren. Zusätzlich brauchen wir die Zusicherung, dass in den Audits die von QS zusätzlich geforderten Kriterien wie Kontrolle des Verzichts auf antibiotische Leistungsförderer und Salmonellenmonitoring abgefragt werden.

Sind Sie mit der Beteiligung und den Aktivitäten des Handels zufrieden?

Nienhoff: Wir würden uns natürlich wünschen, dass QS im Handel für den Verbraucher sichtbarer stattfindet. Dazu gehört, dass es prominenter platziert wird. Wir haben 8±600 zugelassene Outlets im Handel. Diese dürften QS-Ware anbieten. Davon führen aktuell 5±000 QS-Fleisch. Allerdings führen nicht alle in allen Produktlinien QS-Ware. Beispielsweise führt Globus nur Geflügel, andere nur Rindfleisch oder nur Schweinefleisch. Natürlich würden wir uns eine größere Beteiligung wünschen und eine Beteiligung in allen Produktbereichen und auch mit Wurstwaren. Es gibt Musterbeispiele wie Kaufland – mit eigener Verarbeitung –, die alle Produktlinien führen. Auch Edeka hat eine gute Beteiligung und eine eigene Verarbeitung mit Wurstwaren. Gute Beteiligung haben wir auch bei Rewe, Wal Mart, Hit, Coop, Kaisers Tengelmann (Rindfleisch), Karstadt und Ratio. Ab Januar ist die Metro mit Schweinefleisch dabei, was ein Durchbruch für uns ist. Das hat dazu geführt, dass auch Tengelmann demnächst Schweinefleisch aufnehmen will. Das erhöht natürlich den Druck auf die Globalisierung zusätzlich. Die Ware muss da sein. Der kleinste Mangel an Teilstücken führt zu großen Problemen des Handels hinsichtlich der Auslobung und Auszeichnung – oder es müsste über erhöhte Preise eingekauft werden.

Wie weit lassen sich die Lieferanten von Einzelfuttermitteln integrieren?

Nienhoff: Die gesamte deutsche Mischfutterindustrie ist bereits im QS-System integriert. Zusätzlich haben wir 90 Mischfutterbetriebe im Ausland. Bei den Einzelfuttermitteln muss man bedenken, dass dies größtenteils Lebensmittelhersteller sind, die eine andere Sichtweise haben. Das Futtermittel, das sie produzieren, ist meist ein Nebenprodukt. Dennoch gibt es Branchen, die sich umfassend beteiligen. In der Zuckerwirtschaft werden bis Ende des Jahres alle Zuckerfabriken in Deutschland auditiert sein. Wir sind jetzt dabei, die Mühlen vollständig zu integrieren, was bisher nur zu etwas mehr als 10 Prozent gelungen ist. Die Ölmühlen sind zu gut 33 Prozent dabei, die Stärkehersteller zu 50 Prozent. Auch die Mälzereien sind mit gut 30 Prozent und Trocknungswerke zu fast der Hälfte dabei. Recht geringe Beteiligung gibt es noch bei den Brauereien mit 5 Prozent, wobei die größeren zertifiziert sind, und Molkereien (6 Prozent). Zurzeit entwickeln wir eine Checkliste für Kleinstbetriebe, weil wir denen den Einstieg erleichtern müssen.

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