Mehr Transparenz bei Preisverhandlungen gefordert


Die Macht großer Anbieter im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) ist umstritten. Politiker fordern eine umfassende Untersuchung der Einkaufspraktiken des LEH in Deutschland, um einen Missbrauch der Marktmacht zu verhindern. In einer Anhörung über die Nachfragemacht der Unternehmen und deren Konsequenzen im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz am Montag in Berlin geben sich die  Branchenvertreter uneins. Jürgen Abraham von der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BDE) kritisierte die große Marktmacht der wenigen Supermarktketten. Deren Preisdruck sei ein Hersteller ausgeliefert, weil er keinen Abnehmer verlieren könne. Helmut Born vom Deutschen Bauernverband (DBV) bezeichnete die Landwirte als "Kanonenfutter" im Verdrängungswettbewerb der großen Handelsunternehmen. Die "verheerende Konsequenz" des niedrigen Preisniveaus bei Lebensmitteln sei ein "immer stromlinienförmigeres Angebot", mahnte Born . Wolfgang Gutberlet, Geschäftsführer von Tegut sprach sich für mehr Transparenz bei den Preisverhandlungen zwischen Handel und Anbietern aus.  

Für die SPD-Fraktion im Ausschuss setzte sich Elvira Drobinski-Weiß eine umfassende Untersuchung der Einkaufspraktiken des LEH in Deutschland ein, um Missbrauch der Marktmacht zu verhindern. Dabei will die Sprecherin prüfen, ob das Wettbewerbsrecht geändert werden muss. Dringend notwendig sei die Einrichtung einer Ombudsstelle, bei der Zulieferer unfaire Abnahmebedingungen anzeigen könnten.
Die Konzentration von 90 Prozent der Marktanteile auf die sechs größten Supermarktketten setzt den Lebensmitteleinzelhandel in eine gefährliche Machtposition gegenüber den Zulieferern, so Drobinski-Weiß. (da)
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