Die internationalen Lebensmittelpreise sind im Juli 2015 auf das niedrigste Niveau seit September 2009 gesunken. Nachgegeben haben im vergangenen Monat vor allem die Preise für Milchprodukte und Pflanzenöle, wodurch eine Erhöhung bei Zucker und Getreide mehr als ausgeglichen wurde. Fleisch notierte hingegen stabil. Der FAO-Lebensmittelpreisindex verringerte sich im Juli um 1,7 Punkte oder 1 Prozent auf 164,6 Punkte gegenüber Juni und um knapp 40 Punkte oder 19,4 Prozent im Jahresvergleich, teilte die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) mit. Der handelsgewichtete Index basiert auf Preisänderungen der international bedeutenden Lebensmittelwarengruppen: Getreide, Fleisch, Milchprodukte, Pflanzenöle und Zucker.

Kleines Plus bei Getreide

Für Getreide hat die FAO im Juli einen Index von 166,5 Punkten und damit eine Erhöhung um 3,3 Punkte oder 2 Prozent gegenüber dem Vormonat ausgemacht. Der Wert liegt damit aber immer noch 18,7 Punkte oder 10,1 Prozent unter jenem des Vorjahres. Für die Steigerung haben den zweiten Monat in Folge gute Weizen- und Maisnotierungen gesorgt. Ungünstige Wetterbedingungen in Nordamerika und Europa haben in der ersten Julihälfte vorerst ein kräftiges Preisplus bei Weizen und Grobgetreide ausgelöst, das letztlich durch verbesserte Wetteraussichten großteils wieder aufgehoben wurde, teilt die UN-Organisation mit.

Gute Versorgungslage bei Palm- und Sojaöl

Der FAO-Pflanzenölpreisindex erreichte im Juli mit 147,6 Punkten den niedrigsten Wert seit sechs Jahren. Im Vergleich mit dem Vormonat betrug der Rückgang durchschnittlich 9 Punkte oder 5,5 Prozent - für den vor allem Marktentwicklungen bei Palm- und Sojaöl verantwortlich waren. So haben etwa eine höhere Produktion in Südostasien sowie verlangsamte Exporte in Malaysia niedrigere Notierungen bei Palmöl ausgelöst. Bei Sojaöl sorgten eine gute Export-Verfügbarkeit in Südamerika sowie günstige weltweite Versorgungprognosen für 2015/16 für ein Aufweichen der Preise. Die anhaltende Schwäche der Rohölpreise hat laut FAO den Pflanzenölkomplex zusätzlich geschwächt.

Milchprodukte verlieren auf breiter Front

Die weltweiten Preise für Milchprodukte sind im Juli um durchschnittlich 7,2 Prozent gegenüber Juni gesunken und der FAO-Index hat um 11,5 Punkte auf 149,1 Punkte nachgegeben. Der Rückgang wurde über die gesamte Bandbreite der Molkereiprodukte beobachtet - am stärksten davon betroffen waren allerdings Milchpulver gefolgt von Käse und Butter. Als Ursachen nennt die FAO eine gedämpfte Nachfrage aus China, dem Nahen Osten und Nordafrika. Zudem starteten einige Verarbeitungsbetriebe in Neuseeland den Versuch, die Lagerbestände - vor Abschluss des Geschäftsjahres Ende Juli - mit vergünstigten Preisen zu dezimieren. Auch die EU-Milchproduktion läuft derzeit über dem Niveau wie vor einem Jahr und hat gesteigerte Exportmengen zur Folge.

Fleischpreise stabil

So gut wie keine Änderung in den globalen Preisen gab es im Juli in der Warengruppe Fleisch. Der durchschnittliche FAO-Preisindex betrug 174,1 Punkte. Dabei haben steigende internationale Notierungen für Rindfleisch Preisabnahmen bei Schweine- und Schaffleisch ausgeglichen, während Geflügel stabil notierte. Die Preise erhöhten sich vor allem für australisches Rindfleisch, nachdem unter anderem die USA, Japan und die Republik Korea vermehrt Produkte aus dem Land nachfragten. Im Gegensatz dazu hat sich der Bedarf an Schweinefleisch in einigen EU-Mitgliedstaaten verringert, woraufhin auch die jeweiligen Exportpreise nachgegeben haben.

Preiserholung am Zuckermarkt

Der FAO-Zuckerpreisindex ist im Juli um 4,4 Punkte oder 2,5 Prozent auf 181,2 Punkte angewachsen. Ausgelöst wurde die Erhöhung laut UN-Organisation insbesondere durch Berichte über ungünstige Erntebedingungen im Hauptzuckerproduktionsgebiet von Brasilien. Auch über die Verarbeitung eines Großteils der brasilianischen Zuckerrohrernte in Ethanol wurde berichtet. In der jüngsten Preiszunahme bei Zucker spielten zudem die Schwächung der brasilianischen Währung gegenüber dem US-Dollar sowie positive Prognosen hinsichtlich der Lagerstände in den größten Produktions- und Exportgebieten von Zucker eine Rolle. (az)
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