Für die ehemaligen Lieferanten der Molkerei „Freie Milch Austria“ spitzt sich die Lage zu. Von ursprünglich 158 betroffenen Betrieben in den Bundesländern Nieder- und Oberösterreich sowie Salzburg konnten mittlerweile rund 100 einen Liefervertrag mit einer Molkerei eingehen, berichtet das AIZ Wien. Die restlichen Betriebe befinden sich zum Teil noch in Verhandlungen mit potenziellen Abnehmern und wissen noch nicht, an wen sie ab dem 1. April ihre Milch liefern können.

„Ich appelliere an die Landwirte und an die Genossenschaften, in dieser Frage konstruktiv aufeinander zuzugehen“, sagte der Vorsitzende des Milchausschusses der Landwirtschaftskammer Österreich, Josef Moosbrugger am Donnerstag bei einem Milchdialog in Salzburg. An dem Treffen nahmen Vertreter von Milcherzeugern, Molkereien und Milchgenossenschaften, politischen Parteien und dem Landwirtschaftsministerium teil.

Handelsketten fordern mehr Tierwohl

Kritisiert wurde der zunehmende Druck von Handelsketten, die höhere Standards in der Tierhaltung durchsetzen wollen als sie gesetzlich vorgeschrieben sind. Den Stakeholdern wurde deutlich gemacht, dass es sinnvoll sei, auf freiwilliger Basis für mehr Auslaufmöglichkeiten für Nutztiere zu sorgen. Entsprechende Investitionen wurden befürwortet, gesetzliche Zwangsmaßnahen in diesem Zusammenhang wurden jedoch abgelehnt. Gleichzeitig wurde betont, dass Maßnahmen zur weiteren Verbesserung des Tierwohls einen Mehraufwand der bäuerlichen Betriebe erordern und daher finanziell abgegolten werden müssen. Generell wurde darauf hingewiesen, dass in Österreich die Standards in der Tierhaltung im europäischen Vergleich bereits jetzt sehr hoch sind.

Exportoffensive für Milchprodukte aus Österreich

Zur Stärkung des Milchstandortes wurde festgestellt, dass in Österreich sowohl auf Ebene der Milchlieferanten als auch bei den Molkereien eine kleinbetriebliche Struktur vorherrscht. Daher sei es notwendig, die Kosteneffizienz weiter zu verbessern und in der Verarbeitung auf Innovationen sowie klare Produktdifferenzierung zu setzen. Moosbrugger hält hier eine gemeinsame Exportoffensive und entsprechende Investitionen für notwendig.
Die laufenden Aktivitäten zur Verringerung der Anlieferung bewerteten die Teilnehmer des Milchdialogs aus sinnvoll. Die Maßnahmen hätten dazu beigetragen, dass sich die Milchwirtschaft in ganz Europa jetzt aus der Talsohle einer tiefen Krise herausbewege. (az)
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