Der Milchpreis sei erstmals unter die Marke von 20 ct gefallen, schreibt die "FAZ" am Dienstag unter Berufung auf Molkereivertreter. Nach Informationen von agrarzeitung.de zahlt jedoch derzeit lediglich eine Molkerei mit 19,5 ct/Liter einen Preis unter 20 Cent. Ein anderer Verarbeiter hat demnach angekündigt, in den kommenden Monaten die Preise unter 20 ct/Liter zu senken. Die Spanne der Auszahlungspreise liegt demnach zwischen 19,5 und 28 ct/Liter; der Durchschnitt für den Monat März bei 25,83 ct/Liter. Im April dürften die Auszahlungen jedoch um circa 1 ct/liter geringer ausfallen, heißt es aus der Wirtschaft.

Erste Anzeichen der Stagnation nach exzessiver Steigerung

Hintergrund für den Preissturz ist ein deutliches Überangebot in ganz Europa. In einer aktuellen Mitteilung äußerte sich der Europaabgeordnete und Grünen-Politiker Martin Häusling zwar, dass die Milcherzeugung in Deutschland offenbar endlich stagniere, jedoch nach Monaten einer exzessiven Steigerung. "Sollte sich diese Entwicklung bestätigen, belegt sie eines sehr deutlich: Die ersten Bauern gehen über die Wupper, sie halten dem Preisdruck nicht mehr Stand", so Häusling weiter. Die Politik machen den Milchbauern keine ernsthafte Hoffnungen auf eine echte Trendwende, sondern ruiniere die Höfe.

Auch Baden-Württembergs neuer Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) zeigte sich besorgt: "Die aktuelle Situation der Milchbauern ist dramatisch. Wir brauchen eine tragfähige Lösung, um die Landwirte auf allen Ebenen zu unterstützen. Allerdings ist klar, dass auch die Landwirte und die Molkereien in der Verantwortung sind. Die Milchmenge in Europa muss zurück gehen." Er begrüßte, dass Berlin nun weitere Vorschläge zur Unterstützung der Milchbauern prüfe. 

Hilfen für die Landwirte

So wird neben Soforthilfen in Höhe von rund 80 Mio. € auch diskutiert, Landwirte steuerlich besser zu stellen oder sie bei der Unfallversicherung zu entlasten. Bundeslandwirtschaftsminsiter Christian Schmidt (CSU) setzt bei der Reduzierung der Milchmenge jedoch weiter auf Freiwilligkeit. Schmidt hat zudem einen Runden Tisch mit der gesamten Milchbranche angekündigt, der am 30. Mai stattfinden soll.

Zu den Unterstützungs-Ankündigungen von Landwirtschaftsminister Schmidt erklärt Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen, am Dienstag: „Die angekündigte Unterstützung der Milchbauern kommt nach dem Gießkannenprinzip – sie ist unpräzise und ohne Langzeitwirkung. Davon wird fast ausschließlich die Agroindustrie profitieren, nicht jedoch bäuerliche Familien." Die Bundesregierung müsse endliche strukturelle Reformen anpacken.

Proteste starten in Schmidts Wahlkreis

Den Landwirten Rund 350 Milchviehhalter hatten sich am Dienstag trotz dringender Frühjahrsarbeiten Zeit für die Auftaktkundgebung des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) genommen, die eine Daueraktion vor dem Wahlkreisbüro des Bundesagrarministers Christian Schmidt in Neustadt/Aisch einleitet. Die Milchviehhalter verliehen ihrem massiven Ärger über die Verweigerungshaltung des Bundesministers immer wieder lautstarken Ausdruck. „Man hat den Eindruck, dass noch immer nicht realisiert wird, was auf den Milchviehbetrieben wirklich los ist“, kritisierte BDM-Vorsitzender Romuald Schaber scharf. „Die Nerven liegen blank! Bis zum 30. Mai werden die Milchbauern ihr Lager vor dem Wahlkreisbüro beziehen." Delegationen aus dem ganzen Bundesgebiet sollen Tag und Nacht in wechselnden Schichten vor Ort sein.

An der prekären Lage wird sich wohl auch in den kommenden Wochen wenig ändern. Da auch die Preise für Verarbeitungsprodukte wie Käse derzeit schwach sind, und nach den Preisverhandlungen mit dem Lebensmitteleinzelhandel für Mai bis November schwache Trinkmilchpreise erst einmal festgeschrieben sind, ist derzeit wenig Besserung in Sicht. (mrs/pio)
stats