Aflatoxin

Milchviehbetriebe in Niedersachsen gesperrt


In Niedersachsen ist ein weiteres Futtermittelunternehmen identifiziert worden, das verunreinigten Mais von einem der bereits bekannten 13 Unternehmen erhalten hat.

Nach Auswertung der Vertriebslisten der betroffenen Futtermittelunternehmer erhöht sich die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe, die mit Aflatoxin belastetem Mais aus Serbien beliefert wurden, auf rund 4.640 Betriebe. Dies meldet das niedersächsische Landwirtschaftsministerium.

Nachdem zunächst Putenmastbetriebe im Fokus standen, betreffen die nun gemeldeten Futtermittellieferungen auch Milchvieh haltende Betriebe. Rund 900 Betriebe in Niedersachsen konnten am Samstag keine Milch abgeben.

Erste Proben negativ

Am Samstagabend veröffentlichte das Landwirtschaftsministerium in Hannover erste Ergebnisse.  Insgesamt 79 Proben Milch wurden auf Aflatoxin M 1 im Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) amtlich untersucht. Alle Proben waren negativ. Die Milch sei nicht über dem Grenzwert mit Aflatoxin belastet.

Bei den bisher 19 amtlich untersuchten Futtermittel-Proben waren jedoch acht positiv, elf lagen unterhalb des zulässigen Höchstgehaltes.  
 
Der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) übt scharfe Kritik an den Futtermittelunternehmern: „Die verzögerte Zustellung zeigt, dass die Zusage der Wirtschaft, Daten im Rahmen der Rückverfolgbarkeit innerhalb kürzester Zeit vorzulegen, nicht funktioniert." Meyer will die Kontrollen ausdehnen und den Unternehmen in Rechnung stellen. Damit könnte der Staat 30 bis 50 Mio. € einsparen. Einige Unternehmen haben zugsagt, ihre Eigenkontrollen auszuweiten.

Aigner wirft Versagen vor

Bundesagrarministerin Ilse Aigner warf den Unternehmen Versagen bei den Eigenkontrollen vor. „Es gab frühzeitig Hinweise von verschiedenen Seiten, doch diese wurden offenbar ignoriert." Die zuständigen Länderbehörden müssten „deutlich schärfer als bisher" überwachen, ob die Unternehmen ihre Pflichten einhielten. „Wenn die Bundesländer ausreichende Kontrollen nicht leisten können, liegt es auf der Hand, die amtlichen Kontrollen in Zukunft stärker als bisher durch Gebühren zu finanzieren", erklärte Aigner. 


Unterdessen haben Milchviehbetriebe, die mit Aflatoxin B1 belastetes Futter erhalten hatten, insgesamt 800 Milchproben über das Wochenende untersuchen lassen, meldet der Landesbauernverband Landvolk Niedersachsen am Sonntagnachmittag. Die Proben seien unauffällig gewesen, dies belege, dass freiwillige Eigenkontrollen in der Milchwirtschaft funktionierten. Das Landvolk sieht bei der Schadensregulierung die Futtermittelunternehmen als Verursacher in der Pflicht. (da)
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