Milchzwist in Bayern verschärft sich

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In Bayern wird in den kommenden Wochen ein deutlicher Preiseinbruch bei Milch erwartet. Ursache dafür sei eine ungebremste Milchproduktion im Freistaat sowie die abgeschwächten Verhältnisse am internationalen Markt, erklärt die Geschäftsführerin des Verbandes der Bayerischen Privaten Milchwirtschaft (VBPM), Susanne Nüssel. Wegen des hohen Milchpreises von 41 ct/kg haben die Milchbauern ihre Quote überschritten. Nüssel sagte für das zweite Quartal 2008 ein Absinken der Molkereiauszahlungspreise auf 35 bis 37 ct/kg voraus. Aktuell ist die Situation am bayerischen Milchmarkt ohnehin schwierig, nachdem die Molkerei Alois Müller in Aretsried den Bauern der Milcherzeugergemeinschaften (MEG) die Geschäftsbeziehungen gekündigt hat. Die betroffenen 260 Betriebe müssen jetzt für ihre jährliche Milchmenge von 50 Mio. kg neue Abnehmer finden. Dies sei bei der am Markt vorhandenen Menge derzeit äußerst schwierig, meint Nüssel. Die Bauern könnten nach Meinung der VBPM-Geschäftsführerin gezwungen sein, ihre Milch zum Spotmarktpreis abzugeben, ein Pool, bei dem derzeit Preise unter 30 ct/kg gezahlt werden. Die übrigen bayerischen Großmolkereien fordern, ähnlich wie Müller-Milch, längerfristige Verträge mit den Landwirten, die aber von den MEGs abgelehnt werden. Dabei sei es zu einem Preispoker gekommen, der sich durch die Quotenüberlieferung jetzt zum Nachteil der Milchbauern mit einem deutlichen Preisrückgang auswirken könnte. Nüssel appellierte an die Milchbauern, mit den Molkereien sachlich zu reden. Zugleich warnte sie vor einer Verdrehung der Tatsachen. Zurzeit sei eine "vernünftige Zusammenarbeit" zwischen den Kontrahenten nicht gegeben. (HH)
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