Gülletagung

Mineraldüngereinsatz rückläufig

Vertreter aus Politik und Wirtschaft nehmen an der Gülletagung im Kotte-Forum in Rieste teil.
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Vertreter aus Politik und Wirtschaft nehmen an der Gülletagung im Kotte-Forum in Rieste teil.

"Die Überdüngung in der Region Oldenburger Münsterland ist dramatisch und muss ein Ende haben", eröffnete Uwe Bartels die Gülletagung des Agrar- und Ernährungsforums im Oldenburg Münsterland in Rieste. In der Region bestehe ein großes Interesse, die Gewässerbelastung mit Phosphat und Nitrat zu verringern. Einen Zwischenstand zur Situation und Lösungswege lieferte die heutige Veranstaltung des Verbundprojektes "agrivizion" zur Aufbereitung von Gülle und Gärresten. Die offene Diskussion im Oldenburger Münsterland begrüsste Dr. Hermann Onko Aeikens, Staatssekretär im Bundesagrarministerium (BMEL). Er lobte das Engagement von Verbänden und Unternehmen in dieser Region, um das Gülleproblem in den Griff zu bekommen. Allerdings richtete er auch deutliche Worte an die Landwirtschaft. Er stellte den Abbau von Tierbeständen in der Region in Aussicht, wenn nichts getan werde, an dem Missstand der hohen Nährstoffüberschüsse etwas zu verändern. 

Doch sieht der Staatssekretär durchaus den Willen im Nordwesten, kreativ nach Lösungen zu suchen und alternative Wege einzuschlagen. Die neue Düngeverordnung werde auf jeden Fall zu einem Rückgang der Mineraldüngermengen führen, darin waren sich alle Tagungsteilnehmer einig. Nun gehe es darum, die Gülle besser aufzubereiten und emissionsarm auszubringen. Einige Landwirte ersetzen bereits die bisher übliche mineralische Unterfußdüngung von Mais auf ausschließlich Stickstoff und Phosphat aus der Gülle.
 
Im Gegensatz zur früheren Düngeverordnung dürfen nach der vom Bundeskabinett in dieser Woche verabschiedeten Novelle jetzt auch Gärsubstrate zusammen mit Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft die Obergrenze von 170 kgN/ha nicht überschreiten. Heinz-Hermann Wilkens von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen empfahl, nicht nur auf flüssige Wirtschaftsdünger zu setzen. Vielmehr sollten Geflügelhalter beispielsweise Hühnertrockenkot nicht nur in der Biogasanlage verwerten, sondern in Ackerbauregionen transportieren. So sei etwa auch der Transport von wasserreicher Gülle in andere Regionen aufwändig und teuer. In diesem Wirtschaftsdünger seien die Nährstoffe Stickstoff und Phosphat sehr konzentriert enthalten. Aufbereitet in der Biogasanlage und mit Wasser versetzt, würden diese Nährstoffe verloren gehen. Insgesamt bezifferte der Berater den Stickstoffüberschuss in Niedersachsen auf rund 70.000 t. 

Wirtschaftsdünger vor der Saat auszubringen, erfordert eine Bodenbearbeitung mit einer entsprechenden Ausbringungstechnik, erklärte Dr. Thomas Gnosa vom Maschinenbauer Vogelsang. Seit 2011 gibt es die Gülle-Strip-Till-Technik. Das seien Geräte, die nur den Boden streifenweise an den Stellen bearbeiten, wo später auch eine Pflanze ausgesät werden soll. Hier werde der Wasservorrat im Boden geschont und die Gülle platziert in Pflanzennähe ausgebracht. Gerade in Mais sei das eine gute Alternative zur mineralischen Unterfußdüngung, sagte Gnosa. (da)
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