az-Länderserie Tschechien

Mit Hopfen und Malz auf Weltniveau

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Über die Grenzen hinweg werden viele Geschäfte getätigt. Wichtigster Handelspartner ist Deutschland, vor allem die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Die tschechische Landwirtschaft ist insbesondere durch ihre im EU-Vergleich sehr großen Agrarbetriebe geprägt.

Der Tschechischen Republik, die sich aus den drei historischen Ländern Böhmen, Mähren und Mähren-Schlesien zusammensetzt, wird eine gute wirtschaftliche Dynamik zugeschrieben. Die US-Finanzkrise 2007, die EU-Schuldenkrise und die allgemeine Rezession 2009 haben jedoch tiefe Spuren in der Wirtschaft hinterlassen. Das Bruttoinlandsprodukt ist daraufhin deutlich gesunken, Arbeitslosigkeit und ein großes Einkommensgefälle prägen das Land, das seit 1994 unabhängig und 2004 der EU beigetreten ist.

Nur langsam erholt sich die Wirtschaft. So wurde auch die Einführung des Euro immer wieder hinausgeschoben. Zurzeit ist das Jahr 2020 im Gespräch. Vor allem die tschechische Wirtschaft dringt auf die Euro-Einführung. Beim derzeitigen Ministerpräsidenten Bohuslav Sobotka stoßen Wirtschaftsvertreter auf offene Ohren. Die Skeptiker überwiegen jedoch noch. Die Automobilbranche ist der dominierende Industriezweig in der Republik, gefolgt von Metall- und Maschinenbau. Die verarbeitende Lebensmittelindustrie nimmt Platz 4 ein, die Landwirtschaft spielt eher eine untergeordnete Rolle.

Einen deutlichen Strukturwandel hat Tschechien in den vergangenen zehn Jahren auch in der Landwirtschaft erlebt. So ist die Zahl der Agrarbetriebe von 42300 auf 22900 im Jahr 2010 gesunken. 92 Prozent der Agrarfläche werden von Unternehmen bewirtschaftet, die mit mehr als 50 ha ausgestattet sind. Zudem gibt es viele Großbetriebe, die mitunter mehrere Tausend Hektar bewirtschaften. Rund 90 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche sind verpachtet. Die durchschnittliche Flächenausstattung beträgt 152ha. Die wichtigste Kultur ist Weizen. Darüber hinaus werden in kleinerem Maßstab auch Weinbau und Gänsezucht betrieben. Die Fleischproduktion spielt im Vergleich zu Deutschland eine untergeordnete Rolle. Stetig sind die Bestände an Schweinen und Geflügel in den vergangenen Jahren geschrumpft.

Traditionell wird in Tschechien reichlich Gerste angebaut, um die vielen Brauereien im Land mit Malz, aber auch mit Hopfen zu versorgen. Tschechien ist der drittgrößte Hopfenproduzent hinter den USA und Deutschland, beim Anbau der fein-aromatischen Sorten belegt Tschechien sogar Platz 1 weltweit. Bierbrauen hat eine lange Tradition und die Auswahl an verschiedenen Sorten des gelben Gerstensaftes ist groß.

Mehr als 20 tschechische Brauereien verschiedenster Größe bestücken das reichliche Angebot mit vielen regionalen Spezialitäten und insgesamt mehr als 70 verschiedenen Biersorten. Und die Tschechen lieben ihr Bier – ebenso wie die Deutschen. Im jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch liegt Deutschland in Europa mit 107 Litern auf Platz 2, hinter Tschechien und gleichauf mit Österreich. (AW)

Mit herzlichem Dank für die Unterstützung an KS Agrar
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