Report Düngemittel

Mit Mikronährstoffen der kalten Jahreszeit trotzen

Dort, wo es genug geregnet hat, ist der Saatenstand wie hier in Mecklenburg-Vorpommern in guter Verfassung.
-- , Foto: Yara
Dort, wo es genug geregnet hat, ist der Saatenstand wie hier in Mecklenburg-Vorpommern in guter Verfassung.

Im Spätherbst sind kräftige Einzelpflanzen mit guter Bewurzelung und einer ausreichenden Winterhärte erwünscht. Die wichtigsten Merkmale für eine optimale Winterfestigkeit sind eine tiefe Durchwurzelung und eine ungestreckte Sprossachse, ein kräftiger Wurzelhals-Durchmesser von etwa 8 bis 10 Millimeter sowie acht bis zehn gut entwickelte Blätter. Um den optimalen Entwicklungsstand zu erreichen, muss bis vier Wochen nach der Saat entschieden werden, ob eine Stickstoff-Herbstdüngung notwendig ist oder nicht. Nur dann hat der Bestand noch genügend Zeit, gedüngten Stickstoff vor der Vegetationsruhe aufzunehmen.

Kontrollgang auf dem Acker

Mögliche Gründe für eine Düngung im Herbst können aus der Übersicht entnommen werden. Eine Herbstdüngung soll vorrangig die Nährstoffverfügbarkeit verbessern. Sehr gut bewegliche Nährstoffe wie Stickstoff (N), Magnesium (Mg) oder Schwefel (S) sollen nur in Höhe des tatsächlichen Bedarfs ausgebracht werden. So wird zusätzlich vermieden, dass die Bestände überwachsen und zu üppig in den Winter gehen, was die Gefahr der Auswinterung erhöht.

Die Stickstoffaufnahme liegt bei normalen Wintersaaten zwischen 70 und 100 kgN/ha. In Ausnahmefällen liegt sie auch deutlich höher. Dies kommt bei Frühsaaten vor, wenn hohe Stickstoffmengen aus der Vorfrucht oder aus organischer Düngung zur Verfügung stehen und wenn der Boden infolge warmer und feuchter Witterung noch Stickstoff nachliefert. Die Bestände sollten nach dem Auflaufen kontrolliert werden. Stickstoff-Mangel im Herbst zeigt sich durch schwache Wüchsigkeit der Pflanzen und gelbe bis rotviolette Verfärbungen der älteren Blätter. Bei zügigem Wachstum bis zum 6-Blattstadium und voraussichtlichem Erreichen des 8-Blattstadiums bis Oktober besteht kein Stickstoff-Düngebedarf. Bei festgestelltem Stickstoffmangel ist eine Düngung von 30 bis 40 kgN/ha erforderlich.

Stickstoff wird mit dem Sickerwasser verlagert, wenn die Wasserspeicherkapazität des Bodens überschritten wird. Dies geschieht normalerweise nur in den Wintermonaten, wenn Vegetationsruhe herrscht und im Boden noch vorhandene N-Mengen nicht mehr aufgenommen werden. Daher ist es sehr wichtig, die Pflanzen im Herbst nicht nur bedarfsgerecht, sondern auch mit schnell verfügbarem Stickstoff zu versorgen. Zu langsam wirkende Dünger können unter Umständen nicht mehr komplett aufgenommen werden, sodass es später noch zur N-Verlagerung kommt.

Schwefelgabe nach Bedarf

Dementsprechend eignen sich für die Herbstdüngung schnell verfügbare nitrathaltige Stickstoffdünger, die am besten auch einen Schwefelanteil enthalten. Die oft mit Nitratdüngern in Verbindung gebrachte geringere Winterhärte konnte in Versuchen nicht bestätigt werden. Harnstoff und stabilisierte Dünger eignen sich weniger. Diese Dünger müssen sich erst im Boden umsetzen, was dazu führen kann, dass der Stickstoff zu spät zur Verfügung steht. Grundsätzlich eignen sich NPK-Dünger sehr gut für die Herbstdüngung zu Winterraps, da sie die Pflanzen auch mit Phosphat, Kali und oft auch Schwefel versorgen. Je mehr Stickstoff im Bestand im Herbst bereits gebunden wurde, umso wichtiger ist es, diese Stickstoffmengen zu messen und auf die Frühjahrsdüngung anzurechnen. Dies kann nach dem so genannten „französischen Modell“ erfolgen. Dabei werden die Rapspflanzen auf einem Quadratmeter zum Vegetationsende abgeschnitten, gewogen und die aufgenommene Stickstoffmenge mittels Faustzahlen berechnet. Eine weitere Methode ist die von Yara entwickelte App „ImageIT“ für Smartphones. Diese wird direkt im Pflanzenbestand eingesetzt – ohne Schneiden und Wiegen des Aufwuchses. Hier wird der Bedeckungsgrad per Foto ermittelt und daraus die Frischmasse und die aufgenommene Stickstoffmenge berechnet. Diese Messungen werden sowohl im Herbst als auch im Frühjahr durchgeführt und dienen als Grundlage für die Düngeempfehlung im Frühjahr.


--

Mangan verbessert Fotosynthese

Um eine ausreichende Winterhärte zu erlangen, müssen die Pflanzenbestände auch mit Grund- und Mikronährstoffen ausreichend versorgt werden. Mit NPK-Düngern können gut verfügbares Phosphat und Kali in einem Arbeitsgang ausgebracht werden. Eine bedarfsgerechte Versorgung mit Mikronährstoffen verbessert ebenfalls die Winterhärte.

Winterraps benötigt vergleichsweise hohe Mengen an Mangan und Bor. Während Mangan einen erheblichen Einfluss auf die Fotosyntheserate bei geringen Tageslichtlängen hat, unterstützt Bor die Pflanzengesundheit und eine gute Bestandsentwicklung. Eine ausgewogene Mikronährstoffversorgung im Herbst gelingt sicher mit kulturspezifisch formulierten Blattdüngern.

Hans-Peter Wodsak,Yara GmbH & Co. KG, Dülmen
stats