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Genossenschaften entwickeln gemeinsames Internet-Portal - Zukünftige Plattform für E-Commerce

7. Juni 2000; Dr. Heiner Stiens, Projektleiter Raiffeisen-Portal,RCG, Münster

Um die wachsende Zahl von Genossenschaften im Internet zukünftig zu begleiten, hat der Deutsche Raiffeisenverband e.V. (DRV), Bonn, den Aufbau eines nationalen Raiffeisen-Portals in Angriff genommen. Damit soll die bewährte Zusammenarbeit vom klassischen Agrarhandel auf den Online-Handel übertragen werden. Ab 1. August 2000 wird das Portal unter der Adresse www.raiffeisen.com die Internet-Aktivitäten der Genossenschaften bundesweit koordinieren.

Auf den ersten Blick scheint der Agrarhandel im Internet nicht gerade für Aufsehen zu sorgen. Ob Getreide, Futter- oder Düngemittel - zu groß und transportintensiv sind die meisten Produkte, um für den elektronischen Handel geeignet zu sein.

Die Möglichkeiten des Internets beginnen beim Agrarhandel daher deutlich früher - gewissermaßen in der Vorkaufsphase - also im Aufbau einer engen Kundenbindung. Hierfür ist es notwendig, die wesentlichen Online-Kundentrends erst einmal zu kennen.

1. Landwirte sind kommunikationstechnisch fortschrittlicher als andere Berufsgruppen.
Bereits heute verfügt jeder zweite Landwirt über einen PC, jeder dritte über ein Telefaxgerät und jeder fünfte über einen Internet-Anschluss - mit stark steigender Tendenz. Und die speziellen bäuerlichen Arbeitsbedingungen - knappe Zeit im Einmannbetrieb, Betriebsgebundenheit, Einzelhoflage - sorgen dafür, dass sich die neuen Medien und Geschäftsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Homebanking, rasch durchsetzen werden.

2. Der Beruf Landwirt eignet sich fürs Internet in besonderem Maße.
Die landwirtschaftliche Unternehmensführung verlangt vom Betriebsleiter mehr denn je ein Breitband-Know-how von der Buchführung über die Produktionstechnik bis hin zu Warenterminbörsen. Diesem hohen Informationsbedarf kommen wissens- und rechercheorientierte Medien wie das Internet sehr entgegen.

3. Spätestens in drei Jahren werden alle zukunftsgerichteten Betriebe internetfähig sein.
In dieser Prognose sind sich die Experten weitgehend einig. Beschleunigt wird dieser Prozess noch vom landwirtschaftlichen Strukturwandel, der mit einer Halbierung der Anzahl der Betriebe in den nächsten zehn Jahren einhergeht. Daher wachsen auch die Ansprüche der Betriebsleiter an moderne Managementhilfen. Damit erschließt sich dem Agribusiness in kurzer Zeit ein flächendeckender, neuer Kommunikations- und eventuell auch Vertriebsweg.

4. Die Kundenposition des einzelnen Landwirts wird deutlich gestärkt.
Durch das Internet entwickeln sich die Märkte endgültig von Verkäufer- zu Käufermärkten. Jeder Kunde kann mit seinen individuellen Interessen viel besser bedient werden als bisher. Landwirte werden ein vorher nicht vorhandenes Angebot an Informationen, Produktsortimenten, aber auch Markt- und Preistransparenz erleben.

5. Kein zukunftsorientiertes Agrarunternehmen wird sich auf Dauer leisten können, dem Internet fern zu bleiben.
So unterschiedlich die Online-Chancen je nach Produkt und Sparte auch sein mögen - niemand, der mit der Landwirtschaft weiterhin Geschäfte machen will, wird sich der Netzkommunikation entziehen können - allein schon aus Kostengründen. Insbesondere der E-Mail-Einsatz wird im Kundenumgang schnell alltäglich und damit ein wichtiges Service-Argument sein.

Internetpräsenz der Genossenschaften

Im Vergleich zu anderen Branchen stecken die Internet-Erfahrungen der Agrarwirtschaft noch in den Anfängen. Trotzdem hat sich bei Raiffeisen inzwischen eine zahlenmäßig ansehnliche Webpräsenz herausgebildet. Etwa 100 Raiffeisen-Genossenschaften sind derzeit online, darunter jeweils etwa 50 Zentralen und Verbände, aber auch genauso viele Genossenschaften vor Ort. Die Tendenz ist stark steigend. Nun gilt es diese Aktivitäten zu begleiten und zu bündeln.

Internet-Portale eignen sich dafür in besonderem Maße, weil sich die verschiedenen Firmen-Websites zu einer gemeinsamen Online-Geschäftsstrategie bündeln lassen. Zudem werden solche Portale immer beliebter, weil der Kunde dort an einer Stelle einen Rundum-Service erhält und nicht stundenlang im weltweiten Netz umherirren muss.

Portal wird zentrale Anlaufstelle

Konkret verfolgt das Raiffeisen-Portal folgende Ziele:

1. Integration möglichst vieler Raiffeisen-Firmen-Websites. Insbesondere den Ortsgenossenschaften soll ein kostengünstiger eigener Internet-Auftritt inklusive Nutzung gemeinsamer Informationsdienste geboten werden.

2. Als tägliche Anlaufstelle für Landwirte, Gärtner, Winzer und Kunden mit einem aktuellen, breiten Informationsangebot vom Wetter über Marktzahlen bis hin zu Online-Beratungsmodulen will das Raiffeisen-Portal zu der Agrar-Website im deutschsprachigen Raum werden.

3. Zukünftige Plattform für E-Commerce-Aktivitäten. Da der Online-Handel bei Raiffeisen ein wichtiges Thema ist, bietet das Raiffeisen-Portal einen geeigneten Rahmen, um dieses so komplexe und sensible Geschäftsfeld strategisch abgestimmt anzugehen.

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