Report Pflanzenschutz im Frühjahr

„Mit uns können Landwirte rechnen“

Ein innovationsfreundliches Umfeld wünscht sich Michael Hess. Dann kann aus seiner Sicht die BASF am deutschen Markt punkten. Zurzeit fühlt sich das Unternehmen jedoch durch die Ineffizienz der Zulassungsbehörden behindert. Die BASF erwägt juristische Schritte.


-- , Foto: BASF

az: Welche Erwartungen haben Sie an das Pflanzenschutzgeschäft 2017?

Hess: Wir hören in den Gesprächen mit dem Handel, dass die Stimmung besser ist als vor einem Jahr, weil die Getreide- und Milchpreise steigen. Außerdem sind die Wintergetreidebestände bundesweit gut entwickelt. Bei Raps reicht das Spektrum von gut bis durchwachsen. In einigen Regionen ist es etwas zu trocken. Aber wir haben erst Februar. Für 2017 ist noch alles drin.

Alle Anbieter klagen über den Zulassungsstau. Wie ist es bei Ihnen?

Hess: Auch die BASF ist aktuell betroffen. Wir wollten eigentlich 2017 das Rapsherbizid Tanaris am Markt einführen, müssen das Vorhaben aber auf 2018 verschieben, weil in Deutschland die Zulassung fehlt. Die Beratung bedauert das, weil es sich um eine Innovation für den Rapsanbau handelt. Tanaris wäre eine weitere Alternative für Landwirte in sensiblen Wasserschutzgebieten.

Warum kommt die Zulassung nicht?

Hess: Am Produkt liegt es nicht. In Deutschland ist – ohne Begründung – die gesetzlich vorgeschriebene Frist seit vierzehn Monaten überschritten. Das Schlimme ist, dass es in dieser Zeit nicht eine einzige fachliche Rückfrage zu unserem Antrag gab. Er liegt einfach in einem Stoß weiterer unbearbeiteter Anträge. Die BASF investiert im Pflanzenschutz in Forschung und Entwicklung täglich 1,8 Millionen Euro. Und die Landwirtschaft braucht diese Innovationen. Wenn das nachhaltig behindert wird, weil die Abstimmungsprozesse zwischen den Behörden nicht klar sind, dann entsteht ein hoher wirtschaftlicher Schaden für die gesamte Branche.

Die EU-Kommission hat ja 2016 die Ineffizienz des deutschen Systems moniert. Bewegt sich jetzt etwas?

Hess: Im Industrieverband Agrar fordern wir strukturelle Veränderungen. Die Zulassung muss bei einer einzigen Behörde liegen – egal bei welchem Ministerium sie angesiedelt ist. Denn so wie es jetzt ist – mit vier Behörden und zwei hauptverantwortlichen Ministerien – kommen wir immer wieder in Pattsituationen. Die Institutionen blockieren sich gegenseitig. Für uns ist das Maß voll. Als BASF erwägen wir deswegen auch, die langen Überschreitungen der gesetzlich vorgeschriebenen Fristen einmal juristisch überprüfen zu lassen. Denn wir können doch nicht zulassen, dass ineffiziente Abläufe, zuweilen verschärft durch Behördenwillkür, den Innovationsstandort und die Landwirtschaft behindern.


Zur Person
Michael Hess leitet seit 2012 die Geschäftseinheit Pflanzenschutz Deutschland, Österreich, Schweiz und Benelux der BASF SE. Seine Branchenkenntnis bringt der 54-Jährige außerdem im Vorstand des Industrieverbandes Agrar (IVA) sowie im Aufsichtsrat des Forums Moderne Landwirtschaft ein.

Um höhere Umweltstandards wird die Landwirtschaft aber nicht herumkommen.

Hess: Wir begrüßen den Dialog zur Verbesserung von Natur- und Umweltschutzaspekten, gleich ob bei biologischer oder konventioneller Landwirtschaft. Uns beunruhigt aber die Entscheidungsfindung zu Pflanzenschutzmitteln sowie zum Thema Landwirtschaft generell. Wir beobachten eine weiter zunehmende Abkehr von einer fachlich-wissenschaftlichen Betrachtung. Stattdessen kommt es zu willkürlichen Bewertungen – offenbar auch, um eine Agrarwende zu erzwingen.

Wäre Ihnen 20 Prozent Ökolandbau zu viel?

Hess: Solche Ziele kann man sich setzen. Was ich persönlich kritisch finde, ist der missionarische Eifer, mit dem manche den Ökolandbau vorantreiben wollen. Entscheidend ist doch, was der Verbraucher wünscht. Ich bin überzeugt, dass konventionelle und biologische Landwirtschaft gut nebeneinander existieren können. Die BASF hat für beide Produktionsrichtungen innovative Lösungen. Seit wir Becker Underwood gekauft haben, kommen zunehmend biologische Mittel an den Markt. Das beste aktuelle Beispiel ist Velifer, das gegen Drahtwürmer im Kartoffelbau wirkt. Landwirte dürfen das Produkt 2017 bereits in begrenzten Mengen einsetzen. Gerade der Ökoanbau ist auf neue Pflanzenschutzmethoden angewiesen. Das haben Kartoffelanbauer und Winzer 2016 schmerzlich gespürt.

Die Konsolidierung der Pflanzenschutzindustrie geht voran. Wo steht die BASF?

Hess: Für mich zählen die Fakten. Bislang ist noch keine der 2016 angekündigten Zusammenschlüsse vollzogen. Die BASF ist und bleibt in diesem Umfeld ein unabhängiger Anbieter von Pflanzenschutzmitteln. Unser Geschäftsmodell ist auf Innovationen aufgebaut. Dafür braucht es keine Größe, sondern ein innovationsfreundliches Umfeld. Seien Sie versichert: Mit der BASF kann die Landwirtschaft auch künftig rechnen.

Das Gespräch führte Dagmar Behme
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