Report Saatgut Sommergetreide

Moderne Sorten bringen mehr Sicherheit

Kostenintensiv: Biotechnologie-Labor für innovative Pflanzenzüchtung.
-- , Foto: Breun
Kostenintensiv: Biotechnologie-Labor für innovative Pflanzenzüchtung.

Der Anbau von Braugerste könnte wieder an Attraktivität gewinnen mit den Sorten Avalon und Ventina, die bereits in den vergangenen Jahren durch das Berliner Programm empfohlen sind. Die Sorte Cervinia könnte die Liste der empfohlenen Sorten mit Flexi-Malt-Qualität ab Februar erweitern. Diese Sorten bringen einen deutlichen Fortschritt in der Verarbeitungsqualität zu Malz und Bier. Für den Landwirt erhöht der neue Braugerstentyp künftig die Sicherheit der Braugerstenproduktion besonders im Anbau ohne Beregnung.

Weniger Wasser nötig

In der Mälzerei kommen mehrere Vorteile zum Tragen. So können Flexi-Malt-Braugersten auch ohne Zugabe künstlicher Enzyme, die das Reinheitsgebot in Deutschland verbietet, mit weniger Wasser und Energie zu hochwertigem Malz verarbeitet werden. Zudem können diese Sorten schneller vermälzt werden und erhöhen damit die Kapazität der Mälzereien. Auch können Flexi-Malt-Braugersten bei höherem Eiweißgehalt über 11,5 Prozent fast ohne Kapazitätsverlust von der Mälzerei in die von den Brauereien gewünschten Spezifikationen gebracht werden. Die Sorten erfüllen damit ideal die zukünftigen Forderungen nach einem niedrigeren Energieeinsatz für einen kleineren Carbon-Foot-Print von Malz und Bier.

Attraktiv für den Braugerstenanbauer sind die Sorten, weil sie das Risiko auf den üblichen Braugersten-Grenzstandorten senken. Denn hier führen zunehmend auftretende Trockenperioden häufig zu Eiweißgehalten über 11,5 Prozent. Eine Öffnung der maximalen Eiweißgehalte auf 12,0 oder 12,5 Prozent ohne Qualitätsabschlag würde den Anbau auf diesen Standorten stabilisieren.

Auf Hochertragsstandorten, die zurzeit kaum für den Braugerstenanbau genutzt werden, bieten die Sorten ebenfalls neue Perspektiven, indem das deutlich gestiegene Ertragspotenzial durch eine ertraglich optimierte Stickstoffdüngung ausgeschöpft werden kann. In Frankreich, Skandinavien und Großbritannien wird auf Hochertragsstandorten wieder zunehmend Sommerbraugerste angebaut mit Erträgen zwischen 8,0 und bis zu 10,0 t/ha. Durch den niedrigeren Betriebsmitteleinsatz ist dort Sommerbraugerste sehr wettbewerbsfähig gegenüber Winterfuttergerste oder Stoppelweizen. Selbst nach der Ernte profitieren Landwirte davon, dass sich die Sorten bei einer Überversorgung des Braugersten-Marktes auch ohne Kontrakt leichter vermarkten lassen. Die Flexi-Malt-Ware wird bei der Annahme bevorzugt, weil sie sich unproblematischer und effizienter zu Malz verarbeiten lässt als herkömmliche Braugersten.


Züchtungstradition
Mit drei Flexi-Malt-Sorten stellt die Saatzucht Josef Breun aus Herzogenaurach ihre Expertise bei Braugersten hoher Qualität unter Beweis. Die Refinanzierung der Züchtung aber wird immer schwieriger, wenn durch zunehmenden Nachbau in Deutschland die Lizenzeinnahmen sinken. Deshalb hat Breun, das in diesem Jahr das 111-jährige Bestehen seiner Züchtung feiert, wie weitere internationale Braugerstenzüchter die Sortenstrategie auf andere, größere Braugerstenmärkte im Ausland abgestimmt, wo sich Lizenzeinnahmen deutlich stabiler entwickeln. Durch Fusionen und Übernahmen entstandene, globale Brauereikonzerne bauen zunehmend eigene Braugerstenzüchtungen auf und patentieren sogar neue Qualitätseigenschaften.

Erweiterte Züchtungsziele

Der Züchtungsfortschritt, den die Flexi-Malt-Sorten mit ihren neuen Eigenschaften bieten, geht damit deutlich über die bisherigen Züchtungsziele hinaus. Bisher zeichnete sich eine hervorragende Braugerstensorte durch ein hohes Ertragspotenzial aus. Es zählte die Kombination aus hoher Standfestigkeit und hoher Siebsortierung bei guter Resistenz gegen Krankheiten. Dennoch stagniert der durchschnittlich erzielte Kornertrag je Hektar, weil der Anbau auf Grenzertragsstandorte gewandert ist. Nach dem Rückgang des Braugerstenanbaus in Deutschland um rund 70 Prozent in den vergangenen 25 Jahren muss die in Deutschland ansässige, weltweit noch immer führende Malzindustrie mehr als ein Drittel ihres Braugerstenbedarfs aus Importen decken. Die Transportkosten mindern ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Marktteilnehmern in den Exportländern.


Dr. Ernst Loop,
Saatzucht Josef Breun,
Herzogenaurach


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