Österreich

Molkereien fordern Lieferdisziplin


Die Erzeugermilchpreise wurden in Österreich im Mai 2016 von mehreren Verarbeitern erneut gesenkt. So kürzte das größte Molkereiunternehmen der Alpenrepublik, die Berglandmilch, den Auszahlungspreis für GVO-freie Standardmilch um 0,9 Cent netto. Die bäuerlichen Lieferanten erhalten somit für Milch (mit 4,2 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß) 27,30 Cent netto beziehungsweise 30,51 Cent brutto je kg (nach Abzug des AMA-Marketingbeitrages). Für Biomilch werden 40 Cent netto beziehungsweise 44,86 Cent brutto je kg ausbezahlt. Die Niederösterreichische Molkerei (NÖM) senkt zum 1. Mai den Erzeugerpreis für konventionelle Milch um 2 Cent netto auf 26 Cent beziehungsweise 29,04 Cent brutto. Der Biomilch-Zuschlag wird um 1 Cent netto reduziert. Die Gmundner Milch hat ihren Basispreis um 1 Cent auf 26 Cent netto gekürzt und will ihr Modell der Liefermengen-Stabilisierung bis auf Weiteres fortsetzen. Auch andere Verarbeiter zahlen ihren Milchbauern im Mai weniger aus, berichtet das AIZ Wien.

Rohmilchangebot über Vorjahr

Begründet werden die jüngsten Preisverringerungen von den Molkereien mit der kritischen Situation am heimischen und internationalen Milchmarkt. „Das Rohmilchangebot in Europa und auch in Österreich ist weiterhin stark wachsend“, stellt das Management der Berglandmilch fest. Dies gelte auch für die Anlieferungsmengen der größten österreichischen Molkerei, die aktuell deutlich über den Vorjahreswerten liegen. „Wir werden in den nächsten Wochen unsere Verarbeitungskapazitätsgrenzen erreichen", teilte Berglandmilch in einem Schreiben an die Liefernten mit. Ohne die in den letzten Jahren getätigten Investitionen hätte die Milchmenge der letzten Wochen nicht mehr verarbeitet werden können. Der Verkauf von Rohmilch aktuell entweder nicht möglich oder in jedem Fall unwirtschaftlich", betonen sie. Die weitere Preisentwicklung werde maßgeblich von der angelieferten Rohmilchmenge abhängen.

Mengen im Regal verteidigen

Ähnlich argumentiert die Milchgenossenschaft Niederösterreich (MGN), welche die Lieferanten der NÖM vertritt. „Die Entwicklung am europäischen Milchmarkt spitzt sich weiter zu. Die nach wie vor steigenden Anlieferungsmengen verschärfen diese Situation enorm", stellen die Geschäftsführer fest. Die jüngsten Preisabschlüsse der deutschen Molkereien mit dem Handel seien ruinös für die Milchbauern. Die Preise für Magermilch am Spotmarkt lägen mittlerweile bei 4 Cent netto. „Oberstes Ziel in dieser schwierigen Marktsituation ist es, die Mengen im Regal zu verteidigen. Dies gilt sowohl für den österreichischen als auch für den ausländischen Markt. Gerade in Europa, wo die NÖM 50 Prozent ihres Absatzes findet, sind wir mit massiven Preisforderungen konfrontiert. Ein Festhalten am derzeitigen Preisniveau würde unmittelbar den Verlust von Marktmöglichkeiten für veredelte Produkte bedeuten", warnt die MGN-Führung. Sie weist gleichzeitig darauf hin, dass der geschäftsführende Ausschuss der Genossenschaft einstimmig beschlossen habe, dass es in den nächsten drei Monaten, also bis einschließlich Juli 2016, bei konventioneller Milch zu keiner weiteren Absenkung kommt. Auch der Biomilchmarkt lasse derzeit leichte Schwächetendenzen erkennen. Da in diesem Segment die weitere Entwicklung sehr schwer einschätzbar sei, gebe es hier keine Preisgarantie für die nächsten Monate.

Anlieferungsmengen deutlich reduzieren

„Eine generelle Besserung der Situation ist erst dann möglich, wenn sich die Anlieferungsmengen deutlich reduzieren. Im April 2016 lagen diese in unserer Genossenschaft um mehr als 6 Prozent über den Vorjahreswerten. Je früher wir den Mut haben die Milchkuhbestände zu reduzieren, desto eher haben wir wieder die Chance auf eine positive Wertschöpfung", betont die MGN-Führung. Sie appelliert vor allem an all jene Lieferanten, welche deutlich mehr zum Vorjahr anliefern, die Mengen zu reduzieren. Sollte sich das Anlieferungsverhalten nicht verändern, seien einzelbetriebliche Maßnahmen unausweichlich, wird gewarnt. (SB)
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