Wochenlang hat Russland beteuert, genügend Getreide zu ernten. Doch jetzt häufen sich die Krisensitzungen.
 
Am heutigen Freitag hat Premier Dmitri Medwedew zur Getreideversorgung eine aktuelle Sitzung einberufen, berichtet die Presseagentur Ria Novosti. Das Hydrometeorologische Institut hat binnen weniger Tage seine Ernteprognose um 6 Mio. t reduziert. Jetzt nennt es eine Spanne von 77 bis 80 Mio. t.

Der Internationale Getreiderat IGC hat am Donnerstag für Russland eine Erntezahl von weniger als 77 Mio. t veröffentlicht. Dagegen steht ein Inlandsbedarf, den offizielle Stellen in Moskau auf 72 Mio. t taxieren, der aber nach Einschätzung von Marktbeobachtern um einige Millionen Tonnen niedriger anzusetzen ist.

Medwedew will jetzt noch keine Vergleiche zur Situation vor zwei Jahren ziehen. „Die Situation ist schwer, andererseits ist es schon gut, dass es sich nicht um das Szenario von 2010 handelt", zitiert ihn Ria Novosti. Konkret geht es um die Frage, ob Russland wieder wie im August vor zwei Jahren einen Exportstopp verhängt.

Eine entscheidende Sitzung dazu ist für übernächste Woche geplant. Getreidehändler rechnen damit, dass es früher oder später eine Begrenzung geben wird. Offen sei jedoch, ob sich die Regierung für einen Exportstopp oder für Exportabgaben entscheiden wird.

Es gibt aber auch einzelne Stimmen am Hamburger Markt, die derzeit eher nicht mit einem Exportstopp oder Exportsteuern rechnen. Russland werde deutlich weniger Weizen als im Vorjahr zu höheren Preisen als dort sonst üblich verkaufen, sagte ein Marktkenner zu agrarzeitung.de.

Auf 10 Mio. t beziffert er die Ausfuhrmenge an Weizen aus Russland 2012/13. Das wäre weniger als die Hälfte dessen, was das Land 2011/12 verschifft hat. (db/pio)
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