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Für die deutschen Getreidemühlen sind die "Hygienischen Grundsätze für den Umgang mit Getreide - Erzeugung, Transport, Lagerung und Verarbeitung von Getreide" nach eigenen Angaben die Fortsetzung der eigenen Bemühungen um die Erarbeitung hygienischer Leitlinien für den Umgang mit Getreide. Die Hygiene-Grundsätze wurden mit dem Deutschen Bauernverband, dem Deutschen Raiffeisenverband und dem Bundesverband der Agrargewerblichen Wirtschaft gemeinsam verabschiedetet. Die Mühlenwirtschaft habe bereits im Jahr 1995 branchenbezogene Hygiene-Leitlinien konzipiert. Anfang 1998 wurden diese Hygiene-Leitlinien über das Bundesgesundheitsministerium unter Einbeziehung der Bundesländer sowie der Verbraucherverbände bei der Europäischen Kommission in Brüssel offiziell notifiziert. Sie haben damit gutachterlichen Charakter und sind gerichtlich verwertbar. Die Befolgung der branchenbezogenen Leitlinien stellt sicher, dass in jeder Stufe der Verarbeitung geeignete Standards für Hygiene und Lebensmittelsicherheit eingehalten werden. Die Leitlinien sind dann später durch eine Checkliste für Mühlenbetriebe ergänzt worden, die es ermöglicht, in Formularform gestaltete Checks hinsichtlich einzelner Hygieneanforderungen abzuarbeiten und damit gleichzeitig die erforderliche Dokumentierung der Eigenmaßnahmen vorzuweisen.

Auf dieser Basis war es nur konsequent, dass sich die Müllerei darum bemühte, entsprechende Grundsätze auch in den Vorstufen zu etablieren. Da in der Bundesrepublik Vieles ohnehin auf Grund der gesetzlichen Vorschriften überprüft wird, war es weder erforderlich noch sinnvoll, ein durchgreifendes und schließlich auch teures Prüfsystem - etwa mit einer eigens dafür zu gründenden Gesellschaft - zu kreieren. Die Mühlen legten stattdessen Wert darauf, in den Grundsätzen die einzelnen Schritte zur Schaffung und Erhaltung hygienisch einwandfreier Bedingungen zu dokumentieren und sie bei Bedarf vorweisen zu können. Deshalb wurde auch in der Präambel der Grundsätze folgende Formulierung gewählt: "Aufzeichnungen über betriebseigene Maßnahmen zur Einhaltung der hygienischen Grundsätze sind bislang nicht vorgeschrieben. Im Falle amtlicher Kontrollen sorgen regelmäßige Aufzeichnungen jedoch für eine Nachprüfbarkeit und empfehlen sich für alle Marktpartner." Auch den jetzt erarbeiteten gemeinsamen Grundsätzen hängen Checklisten an, die es den Betrieben im Einzelfall ermöglichen sollen, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen und insbesondere sie zu dokumentieren. Formblätter für die Lagerung von Vorräten, ein Temperaturkontrollblatt sowie einen Formularsatz für die Basis-Hygiene bis hin zur Checkliste für Wartung, Kontrolle und Reinigung wurden daher entworfen.

Ob aus den Grundsätzen später noch eine stärker bindende Leitlinie wird und ob dies auf nationaler oder europäischer Ebene erfolgen soll, wird zur Zeit geprüft. Dabei wird der Entwicklung einer europäischen Leitlinie eindeutig Vorrang eingeräumt.

Diese Stellungnahme des Verbandes Deutscher Mühlen, Bonn, veröffentlichte die Agarzeitung Ernährungsdienst heute im Forum Vermarktung.(ED)
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