Drohnen, die mit Wärmebildkameras ausgestattet sind, können in Maisbeständen Flurschäden erkennen.
-- , Foto: Microdrones
Drohnen, die mit Wärmebildkameras ausgestattet sind, können in Maisbeständen Flurschäden erkennen.

Die Anwendungsmöglichkeiten von Drohnen in der Landwirtschaft sind vielfältig. Mit einer Kamera bestückte Drohnen eignen sich hervorragend, um sich im wahrsten Wortsinn einen Überblick über Kulturpflanzenbestände auf Ackerschlägen zu verschaffen. Sie bestechen vor allem dann durch ihre Vorteile, wenn Flächen nur schwer begehbar sind oder die Bestandskontrolle bei großen Schlägen zu Fuß nicht mehr rentabel und repräsentativ ist.

Schlagkartierung machbar

In der einfachsten Form kann schon das selektive Überfliegen von Ackerschlägen hilfreich sein. Bei der Live-Betrachtung oder späteren Auswertung des Bildmaterials wird der Landwirt auf Unregelmäßigkeiten und mögliche Problemherde aufmerksam. Das Bildmaterial als solches erlaubt in den seltensten Fällen die konkrete Feststellung von Problemursachen. Jedoch wird dabei deutlich, welche Stellen einer Fläche im Anschluss vor Ort begutachtet werden sollten. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Ackerschläge vollständig zu kartieren. Der Flug für eine solche Datenerfassung erfolgt in der Regel vollkommen autonom und bedarf einer vorangegangenen Planung. Dazu wird in einem Geo-Informations-System, kurz GIS, der zu kartierende Ackerschlag eingegrenzt. Unter Einbezug von Flughöhe und Auflösung der Kamera errechnet ein Algorithmus eine Flugroute, mit der die Oberfläche lückenlos erfasst werden kann. Im Anschluss an die Datenerfassung werden die erzeugten Einzelfotos mit einer Stitching-Software zu einem einzigen, großformatigen Bild zusammengefügt.

Bei hochauflösendem Bildmaterial und großen Ackerschlägen können solche Panoramadateien schnell auf mehrere Gigabyte Datenvolumen anwachsen. Wichtig ist es nicht zu vergessen, dass das gewonnene Datenmaterial als solches zunächst keine Funktion, Aussage oder direkte Anwendungsmöglichkeiten bietet. Erst die Analyse und Bewertung dessen, was mit einer Drohne aufgezeichnet wurde, macht die Informationen nutzbar. Zu diesem Zweck können mit einem GIS sogenannte „Themenkarten“ erzeugt werden.

So kann zum Beispiel anhand von ermittelten Farben jeder Position auf einem Ackerschlag ein Wert zugeordnet werden. Mit GPS ausgestattete Schlepper können später solche Karten einlesen und entsprechend der hinterlegten Werte Dünger oder Pflanzenschutzmittel ausbringen. Auf diese Weise lassen sich Zeit und Betriebsmittel einsparen. Auch das Kombinieren mehrerer Themenkarten, das Map-Overlay-Verfahren, ist mit entsprechender Software problemlos möglich.

Drohnen, die mit Thermal-Infrarot-Technik ausgestattet sind, können Landwirten helfen, Wildtiere auf ihren Flächen ausfindig zu machen. Die konkreten Anwendungsszenarien können dabei sehr unterschiedliche Ziele verfolgen. Häufig bleiben junge Rehkitze im hohen Aufwuchs des ersten Grünlandschnitts unentdeckt und fallen den Mähwerken zum Opfer. Diese Tiere lassen sich mit Wärmebildkameras ausfindig machen und retten. Erste Pilotprojekte erzielten hier gute Erfolge.

Ein großes Problem sind jedoch die kleinen Erntefenster der Grünlandwirtschaft. Insbesondere der erste Grünlandschnitt wird oftmals durch die Witterung bestimmt und von vielen Betrieben zeitgleich durchgeführt. Kaum eine Jagdgenossenschaft vermag es, genug Drohnen und Personal vorzuhalten, um alle Flächen in der kurzen Zeit zu überprüfen.

Aufspüren von Wildschweinen

Der vermehrte Maisanbau für Futter und Biogasanlagen hat in einigen Gegenden zu einem starken Anstieg der Wildschweinpopulation geführt. Auch diese Tiere lassen sich durch Drohnen aufspüren, die mit Wärmebildkameras bestückt sind. Lokalisierte Wildschweine können anschließend zum Abschuss aus dem Bestand getrieben werden. Da durch Wild verursachte Flurschäden von den Jagdpächtern entschädigt werden müssen, kann hier der Einsatz von Drohnen sehr lohnenswert sein. Eine weitere Einsatzmöglichkeit von Drohnen befindet sich in der biologischen Schädlingsbekämpfung. Trichogramma-Schlupfwespen können die Eiergelege des Maiszünslers parasitieren und sie somit an der Vermehrung hindern.

Dieses biologische Bekämpfungsverfahren ist bereits seit mehr als 30 Jahren bekannt. Neu ist jedoch die technische Umsetzung. Sogenannte „Opti-Kugeln“ beinhalten rund 1000 von mit Trichogramma-Schlupfwespen parasitierte Mehlmotteneier. Diese Kugeln können von Multikoptern getragen und autonom über jungen Maisbeständen verteilt werden. Praxisversuche erzielten bei einer Abwurfmenge von etwa 95 Kugeln je Hektar und einer Fluggeschwindigkeit von 30 km/h eine Flächenleistung von 1 ha pro Viertelstunde.

Karsten Bommelmann, AG Fuko, Isernhagen
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