Stefanie Awater zum Deutschen Bauerntag

Ein nach innen gekehrter Bauerntag findet noch bis heute in Berlin statt. Die Mitglieder beschäftigen sich so sehr mit sich, dass sie die Trends für die Zukunft verpassen. Wen wundert es da, dass sich die Politik des Deutschen Bauernverbandes in der Öffentlichkeit so schlecht verkaufen lässt? Sicher, der Deutsche Bauernverband (DBV) hat drei hitzige Jahre hinter sich.

So scharf wie lange nicht setzen sich seine Mitglieder seit der letzten Preismisere für fast alle Agrarprodukte mit den politischen Positionen des Verbandes auseinander. Da ist es durchaus einmal angebracht, über die eigene Verbandsarbeit nachzudenken. Während des Bauerntages widmete der DBV der Nabelschau gleich einen von zwei Tagen. Am Ende fehlen leider erneut die Visionen. Themen gibt es genug. Die Zukunft des Agrarmodells in Europa, der Umgang mit gentechnisch veränderten Pflanzen, die Neuordnung des Milchmarkts zum Ende der Quote, die Position gegenüber der Lebensmittelwirtschaft und dem Handel, die Volatilität der weltweiten Agrarmärkte.

In den Statements des Deutschen Bauernverbandes überwiegt die Haltung, es solle so bleiben, wie es ist. Statt sich für die Zukunftsthemen zu öffnen, zieht sich der Verband auf eine Imagekampagne unter dem Motto „Arbeit mit Leidenschaft, die deutschen Landwirte" zurück. Die ganze Republik ist mit Bannern plakatiert, die diese Aufschrift tragen. Welche Botschaft soll aber davon ausgehen? Beanspruchen die Landwirte die Leidenschaft für sich? Das wäre reichlich arrogant und sicher nicht im Sinne vieler Landwirtsbetriebe.

Auch andere Berufsgruppen arbeiten mit Leidenschaft: der engagierte Arzt, der Kindergärtner oder der Malermeister aus dem Ort. Die Imagekampagne überdeckt vielmehr die schwache Positionierung zu den Zukunftsthemen - wie zum Beispiel auch zur Kennzeichnung der Herkunft von Agrarprodukten und Lebensmitteln.

Trendforscher aus der Agrarbranche zeigen auf, dass die Verbraucher beim Lebensmitteleinkauf immer mehr auf Regionalität und Saisonalität achten und bereit sind, dafür auch zu zahlen.

Die Angabe der Herkunft kann also ein Verkaufsschlager für die deutsche Landwirtschaft sein. Doch sie wird leichtfertig verspielt. Die Antwort des Bauernverbandes lautet nämlich, die Angabe des Ursprungs der Lebensmittel sei nicht sachgerecht und würde kaum zu bewältigende Anforderungen stellen. Wer sich so dem Verbraucherwillen widersetzt, der muss sich nicht wundern, wenn er keine öffentlichen Sympathien erhält. Zumal die Landwirtschaft für sich genommen zunächst mit großen Sympathien behaftet ist.

Helfen könnte es, sich den Diskussionen tatsächlich und ernsthaft zu öffnen, statt sich mit Verbandsinterna abzulenken. Die Landwirtschaft vergibt so ein Potenzial, das sie gerade in der Diskussion um die künftige EU-Agrarpolitik dringend benötigt. Der Bauernverband hat so erneut eine Chance vertan, aus der Schmuddelecke des Subventionsbeziehers herauszukommen.

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