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Qualitätssicherung ist Voraussetzung für den Marktzugang

Agrarzeitung Ernährungsdienst 19. Juni 2004; Von Markus Wolf, Frankfurt a. M.

Qualitätssicherung im Getreideanbau gilt bei der Erzeugergemeinschaft (EZG) für Qualitätsgetreide Braunschweiger Land w.V. als Voraussetzung für weiteren wirtschaftlichen Erfolg. Die Agrarzeitung Ernährungsdienst sprach mit dem Vorsitzenden Friedrich von Wallmoden und dem Geschäftsführer Johannes Sydow über Erfahrungen und Strategien der EZG.

Am 1. Januar 2005 tritt die EU-Basisverordnung zur Rückverfolgbarkeit in Kraft. Um den gesetzlichen und den zunehmend steigenden Anforderungen der Abnehmer Genüge zu tun, erwog die EZG eine Zertifizierung im Bereich Qualitätssicherung. Nach Gesprächen mit der Marketing Gesellschaft für Niedersächsische Agrarprodukte e.V., Hannover, zusammen mit dem privaten Landhandel, kam man überein, in einem Pilotprojekt zunächst einen der 14 Mitgliedsbetriebe der EZG nach den Anforderungen von Eurepgap zu zertifizieren.

Die Entscheidung für den international anerkannten Standard sei getroffen worden, weil ohne diese qualitätssichernde Maßnahme die für die EZG wichtigen niederländischen Kunden wegfallen würden. Denn die Mühlen im Nachbarland fordern mit Beginn des kommenden Jahres eine entsprechende Zertifizierung ihrer Lieferanten, erklärt von Wallmoden. Ein finanzieller Mehrertrag werde durch eine Zertifizierung nicht erreicht. Dies sei auch unrealistisch. Wichtiger sei ohnehin, den Marktzugang auf Dauer zu erhalten. „Wir werden nicht mehr kriegen, aber wir können unsere Produkte noch absetzen“, umreißt von Wallmoden das vorrangig angestrebte Ziel einer Zertifizierung.

Überraschende Anforderungen

Überraschend für die beteiligten Landwirte der EZG seien zum Teil die Anforderungen gewesen, die eine Zertifizierung nach den Regeln von Eurepgap mit sich bringe. „Früher war vieles selbstverständlich, heute muss es aufgeschrieben und dokumentiert werden“, fasst Geschäftsführer Sydow die anfallenden Dokumentationspflichten zusammen. Viele der Anforderungen, die Eurepgap an die Betriebe stellt, gingen weit über das bisher Übliche hinaus, meint Sydow. Neben 25 „Kritischen-Muss“-Kriterien umfasst der Forderungskatalog von Eurepgap weitere 103 „Muss“-Kriterien und 76 „Kann/Soll“-Kriterien. Um zertifiziert zu werden, sind 100 Prozent der „Kritischen-Muss“-Kriterien sowie mindestens 95 Prozent der weiteren „Muss“-Kriterien zu erfüllen.

Viele dieser Punkte seien zumindest „gewöhnungsbedürftig“, umschreibt von Wallmoden seine Erfahrungen. Beispielsweise verlangen die Richtlinien bei der Dokumentation von Pflanzenschutzmaßnahmen neben der Angabe des Ausbringungszeitpunktes und -ortes, des eingesetzten Produktes und der Aufwandmenge auch die Nennung einer Rechtfertigung für die Durchführung der Pflanzenschutzmaßnahme. „Alle Mitglieder haben mindestens den Meistertitel, wir spritzen doch nicht aus Jux und Dollerei“, zeigt von Wallmoden Unverständnis über diese Art der Dokumentation. Allerdings sei auch zu bedenken, dass die Kriterien zu einem großen Teil reine Gewohnheitssache seien. „Nach einem Jahr ist Vieles eingefahren“, lautet seine Erfahrung.

Zeitbedarf und Kosten beachten

Problematisch an einer Zertifizierung sei sicherlich, dass sie mit einem vermehrten Arbeitsaufwand einhergehe. Viel Zeit müsse zunächst aufgewendet werden, um den Dokumentations- und Nachweispflichten nachzukommen. Den Zeitbedarf beziffert Sydow mit ungefähr zehn Tagen für Zertifizierung und Dokumentation, wobei sich beides jedoch ohne Probleme in die arbeitsarme Winterzeit verlegen lasse. Auch seien die anfallenden Kosten zu beachten, die sich nach den Erfahrungen von Wallmodens im Vorfeld auf etwa 1.500 EUR zuzüglich der Kosten für die unmittelbare Zertifizierung belaufen. Ebenfalls nicht vergessen werden dürften Kosten für im Rahmen der Zertifizierung anfallenden baulichen Maßnahmen, erinnert von Wallmoden und verweist darauf, dass in seinem Betrieb einige Tausend Euro für entsprechende Schritte verwendet worden seien. Allerdings müsse vieles ohnehin erledigt werden, so dass sich der finanzielle Mehraufwand in Grenzen halte.

Nachdem die Zertifizierung des ersten der 14 Betriebe kritisch beäugt wurde, streben nun auch die übrigen EZG-Teilnehmer eine Eurepgap-Zertifizierung für das kommende Jahr an. Sydow hält es allerdings durchaus für sinnvoll, die Eurepgap-Regeln für Marktfruchtbetriebe nochmals zu überarbeiten.
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