Dietrich Holler zur Nordzucker AG
 
Jeder kennt das von der Matheklausur: Wenn das Ergebnis nicht stimmt, sollte der Rechenweg halbwegs korrekt sein. Sonst gibt es keine Punkte. Passt auf den ersten Blick das Resultat und die Berechnung ist Unfug, stellt sich die Frage: Hat da vielleicht einer geschummelt? Hans-Gerd Birlenberg, bis vor Kurzem offizieller Primus der Nordzucker AG und mittlerweile deren Ex-Vorstandschef, muss mit dieser Frage leben. Birlenberg hat 2008 für seinen damaligen Arbeitgeber die Zuckersparte des Danisco-Konzerns gekauft und sich, aber auch anderen im Unternehmen die Finanzierung des Deals schön gerechnet. Birlenbergs Klassenkamerad im Vorstand, Finanzchef Dr. Michael Noth, erkannte bereits im vergangenen Jahr: Da stimmt etwas nicht. Noth ist kein Streber, sondern einfach nur sehr genau. Es war eine Frage der Zeit, bis Birlenberg vor die Tür musste.

Die Nordzucker-Manager treten jetzt wie Pennäler vor den Banken an. Es geht um die Versetzung: Kann die Übernahme von Daniso finanziert werden, ohne dass der Konzern zum Sitzenbleiber wird? Dass ausgerechnet die Banken dafür die Zensuren verteilen, sprich, härtere Kreditkonditionen festlegen, beweist nur eines: Die Geldinstitute geben schlechte Noten, die sie selbst verdient hätten. Wer als Finanzier ein Geschäft wie das zwischen Nordzucker und Danisco nicht vorab zuverlässig einschätzt, benötigt selbst Nachhilfe. Als volkswirtschaftlich Schwererziehbare sind die Banken vorerst gelassen. Sie bekommen weiterhin relativ günstiges Geld von den Zentralbanken.

Nordzucker kann derweil nur hoffen, dass etwas in der Klassenkasse bleibt. Auf rund 55 Mio. € belief sich der Ebit des Dreiviertelberichtes vor wenigen Tagen. Zum Jahresabschluss Ende März droht ein blauer Brief und manch einer rechnet bestenfalls mit einer schwarzen Null. Die Landwirte sehen dem argwöhnisch entgegen und bangen um ihre Einnahmen aus den Industrierüben, deren Preise noch offen sind. Es ist zu kurz gedacht, wenn die Rübenbauern dem Nordzucker-Management pauschal ein schlechtes Zeugnis ausstellen.

So haben die Bauern über ihre zahlreichen Vertreter im Aufsichtsrat dafür gesorgt, dass Birlenberg als Manager mit finanzmathematischer Rechenschwäche erst für Controlling und Finanzen zuständig war, um anschließend den ganzen Konzern zu leiten. Das soll sich jetzt ändern - und die Chancen stehen gut. Der neue Vorstandschef der Nordzucker AG ist durch eine harte Schule gegangen: Hartwig Fuchs, ehemaliger Topmanager des Hamburger Handelshauses Toepfer, verfügt über reichlich internationale Erfahrung. Mit zunehmendem Einfluss des US-Konzens ADM auf Toepfer war für Fuchs im vergangenen Jahr dort kein Platz mehr. Der über lange Jahre sehr erfolgreiche Handelsmanager kann rechnen, und vielleicht lernen einige in Nordzucker AG von Hartwig Fuchs. Klassenziele sind Rendite und Liquidität.
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