Agrargenossenschaften

Neue Geschäftsmodelle gesucht

Die Geschäftsmodelle der Agrargenossenschaften gehören auf den Prüfstand. Das ist der Tenor der Studie „Agrargenossenschaften im weltweiten Wettbewerb – Aktuelle Entwicklungen und kritische Erfolgsfaktoren“, welche die Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) am Mittwoch veröffentlicht hat. Die Genossenschaften müssten Gewinn und Umsätze steigern, um in immer stärker liberalisierten Agrarmärkten und im Zuge des Strukturwandels in der Landwirtschaft bestehen zu können. Als Wege, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, schlägt PwC Fusionen, Übernahmen, grenzüberschreitende Kooperationen sowie eine Ausweitung der Tätigkeit entlang der kompletten Wertschöpfungskette vom Anbau bis zum verarbeiteten Endprodukt vor.

Lag das Umsatzwachstum der 40 weltweit größten Agrargenossenschaften zwischen 2007 und 2011 bei jährlich 8,1 Prozent pro Jahr, konnten nicht genossenschaftlich organisierte Unternehmen der Lebensmittelindustrie ein jährliches Wachstum von 10,1 Prozent verbuchen, wie es in der Studie heißt. Bei den Genossenschaften lag im Jahr 2011 der durchschnittliche Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bei 4,1 Prozent des Umsatzes, während ihre nicht-genossenschaftlichen Wettbewerber 11,8 Prozent einstreichen konnten.

Allerdings bedinge die Struktur der Genossenschaften, die oftmals langwierige Entscheidungsprozesse unter den Teilhabern erfordere, dass die genossenschaftlichen Unternehmen weniger schnell auf Trendwechsel reagieren könnten als ihre nicht-genossenschaftliche Konkurrenz. Auch hätten Genossenschaften oftmals Schwierigkeiten, sich Mittel auf dem Kapitalmarkt zu beschaffen. Doch Übernahmen erforderten Kapital. Als Lösungen schlägt PwC die Finanzierung außerhalb der Genossenschaft, etwa durch einen Börsengang, vor – oder auch eine neue Rechtsform unter Einbeziehung externer Investoren.

Besonders stark seien Genossenschaften in Europa, betont PwC. Denn dort seien 62 der 100 größten Agrargenossenschaften der Welt ansässig. Unter den 40 größten Agrargenossenschaften weltweit finden sich nach Angaben der Berater unter anderem die deutschen Unternehmen Agravis Raiffeisen AG, Südzucker und der Deutsche Milchkontor GmbH (DMK). (pio)
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