Report Saatgut Mais

Neue Sorten für das europäische Müsli

Knusprige dünne Cornflakes gelingen nur mit speziellen Maissorten.
-- , Foto: Pixabay
Knusprige dünne Cornflakes gelingen nur mit speziellen Maissorten.

Mais gewinnt auf dem Speiseplan der Europäer in vielen Formen an Bedeutung, selbst wenn Weizen weiterhin die Hauptrolle spielt. Cornflakes sind dabei wohl das Maisprodukt, das in keinem europäischen Supermarkt fehlt. Der Rohstoff dafür sind Maissorten mit ganz spezifischen Verarbeitungseigenschaften. Die französische Groupe Limagrain gehört aktuell zu einem französischen Forschungskonsortium, das Cornflakes aus europäischem Mais in Aussicht stellt. Bislang wird der Rohstoff dafür umfangreich aus Argentinien importiert.

Limagrain hat sich vor allem mit der Tochtergesellschaft Limagrain Cereals Ingredients (LCI) in das Projekt eingebracht. LCI ist spezialisiert auf natürliche Zusätze für die Lebensmittelverarbeitung, die aus Getreide wie auch Mais hergestellt werden. Solche Produkte sind von Nahrungsmittelherstellern zunehmend gefragt, weil sie natürlichen Ursprungs sind und nicht als Zusatzstoffe gekennzeichnet werden müssen, erklärt der stellvertretende LCI-Geschäftsführer François Viallet das wachsende Geschäftsfeld. Weizen und Mais werden dafür mit rein physikalischen Methoden bearbeitet – also gemahlen, erhitzt oder gedämpft. Ergebnis sind Produkte, die beispielsweise in der Bäckerei die Fließeigenschaften von Teigen verbessern.

In die Maisverarbeitung hat LCI bereits 1983 umfangreich investiert und in Ennezat eine Maismühle errichtet. Dieser Standort in der Auvergne, der Kernregion der Genossenschaft, hat sich bewährt, betont Viallet. Die Mitglieder der Genossenschaft Limagrain haben exklusive Anbau- und Lieferverträge. Insgesamt 10000 ha Mais werden nach Angaben von Limagrain-Geschäftsführer Daniel Chéron innerhalb der Genossenschaft für die integrierte Verarbeitungskette des Unternehmens angebaut. Die Mühle in Ennezat stellt aus Körnermais Mehle, Grieße, Flocken oder auch Keimlinge her. Die Maisverarbeitung hat LCI mittlerweile um ein Werk im Norden Frankreichs, in Arques, ergänzt. Hier entsteht aus Körnermais sogenanntes Masa, Maismehl für Tortilla-Chips. Zudem produziert LCI dort auch Pellets aus Mais. Snackhersteller europaweit verwenden sie als Ausgangsprodukte für Knabberartikel.

Mit der Entwicklung neuer Produkte aus Mais sind bei LCI 15 Mitarbeiter beschäftigt, ebenso viele arbeiten mit Weizen. Viallet bezeichnet die einzigartig enge Zusammenarbeit zwischen der Produktentwicklung und der Züchtung neuer Sorten in der Gruppe als Erfolgsmotor. Die Innovationskraft für Produkte aus Weizen und Mais ist enorm: Rund 12 Prozent des Umsatzes hat LCI zuletzt mit Neuheiten erzielt. In diesem Jahr gehören geröstete Maiskeimlinge zu den Top-Innovationen. Sie können in der Bäckerei als schmackhafte, allergenarme und preiswerte Alternative zu Nüssen verwendet werden.

Jene Cornflakes, die die französische Presse gerade feiert, verdeutlichen die Zusammenarbeit von der Züchtung bis zum fertigen Produkt. In Kooperation mit zwei Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie und dem französischen Forschungsinstitut Inra haben LCI und Limagrain-Züchter Sorten und Verarbeitungsschritte aufeinander abgestimmt. Das Ergebnis sind demnach Cornflakes aus französischem Mais, die qualitativ mit Cornflakes aus argentinischem Mais mithalten können. Die erste Maissorte mit der entsprechenden Glasigkeit und einem für die Erzeuger passenden Ertrag soll in drei Jahren am Markt sein. Weitere sollen folgen. (brs)
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