Nord-Süd-Gefälle bei Milchboykott

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Der Milchlieferboykott hat bislang nicht zu Versorgungsengpässen bei den Molkereien geführt. Allerdings droht Milchversendern, die ihre Abnehmer in Italien haben, Ungemach. „Wir werden erhebliche Marktverluste erleiden, da sich unsere Kunden bereits um Lieferanten in anderen EU-Staaten bemühen“, beklagt ein nordbayerischer Unternehmer. In den Dörfern gibt es zunehmend Spannungen zwischen lieferwilligen und boykottierenden Landwirten. Von Marktbeobachtern wird dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) ein unredlicher Umgang mit Aussagen hinsichtlich der Milchpreise vorgeworfen. Tatsächlich zahlt zum Beispiel Deutschlands größtes milchwirtschaftliches Unternehmen, die Nordmilch AG, für Milch mit 3,7 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß 30 Cent/kg; vor einem Jahr waren es noch 26 Cent. Dennoch wird das Unternehmen, je nach Region, zwischen 3 und 20 Prozent boykottiert. Süddeutsche Molkereien zahlen zwischen 35,50 und 36,00 Cent/kg; im Vorjahr waren es 28 bis 29 Cent.

An diesen Milchpreisen dürfte sich kurzfristig wenig ändern, da die Verträge zwischen den Molkereien auf sechs Monate festgelegt wurden, versichert der Verband der privaten Milchwirtschaft in Bayern. Nach seiner Meinung beteiligen sich bundesweit etwa 20 Prozent der Milchbauern am Boykott. Dabei herrsche ein klares „Nord-Süd-Gefälle“. Je kleiner die Betriebe, desto eher seien sie bereit, sich am Lieferboykott zu beteiligen. (HH)

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