Zuckermarkt

Nordzucker schlägt sich wacker


Die Zentrale der Nordzucker in Braunschweig.
-- , Foto: da
Die Zentrale der Nordzucker in Braunschweig.

Das abgelaufende Geschäftsjahr 2015/16 (März/Februar) hat die Ansprüche des Nordzucker-Vorstandes längst nicht erfüllt. Denn schwache Quotenzuckerpreise haben Umsatz und Gewinn ordentlich verhagelt. Sie waren alles andere als erfreulich. Nordzucker musste 2015/16 ein Umsatzrückgang von 14 Prozent 1,6 Mrd. € hinnehmen, der Jahresüberschuss purzelte nochmals um 5 auf 15 Mio. €. "Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen", sagte Finanzvorstand Dr. Michael Noth heute bei der Bilanzpressekonferenz in Braunschweig. Die Zahlen seien nicht berauschend, aber für ein Unternehmen, dass voll auf Zucker setzt, seien sie besser als erwartet. Und darauf ist Vorstandsvorsitzender Hartwig Fuchs und seine Vorstandskollegen sogar noch etwas stolz, denn es hätte noch viel Schlimmer kommen können.

Die Sparprogramme zeigten deutlich Wirkung. Die Werke seien jetzt so aufgestellt, flexibel und kostengünstig lange und kurze Kampagne zu fahren. 2015 haben die Landwirte ihre Flächen eingeschränkt und weniger Rüben geerntet. Die Kampagne dauerte nur 88 Tage. Die vergangene Kampagne war durch eine deutliche Flächenreduzierung geprägt. Ein Mengenrückgang von 30 Prozent zu 2015/16 wirkte sich natürlich auf Umsatz und Ergebnis aus. Allerdings zeigten diese Kostenreduzierungsmaßnahmen eine positive Wirkung auf das laufende Geschäftsjahr 2016/17. Mit der  Mengenreduzierung konnte immerhin geschafft werden, dass sich die Preise in der EU wieder leicht erholen. "Zudem haben wir Zuckerbestände in Höhe von 230.000 Tonnen abgebaut", sagte Fuchs. Damit konnten deutlich Lager- und Logistikkosten gespart werden.

Norzucker will in Indien wachsen

Aktuell sei die leichte Preiserholung auf dem Weltmarkt in der EU noch nicht ganz angekommen. Immerhin sei der durchschnittliche EU-Zuckerpreis von 404 €/t im Juli 2015 auf rund 430 €/t zuletzt im April gestiegen. Anders läuft die Kurve an den Börsen. Hier sei der Zuckerfutures in kurzer Zeit von 10 auf 17 Cent geklettert.  Erst wenn ab 2017 die Zuckermarktordnung fällt, dann schlagen auch die Verhältnisse auf dem Weltmarkt in der EU voll durch. Dann erwartet Fuchs eine Konsolidierung unter den Wettbewerbern. Auch Fuchs hat Wachstumspläne vor allem in Indien und in der Subsahara, ohne konkrete Namen oder Abschlüsse zu benennen.

Derzeit herrscht in der EU das Zuckermarktregime. "Auf Grund der Quoten können nicht mehr produzieren, als wir könnten." Die Zuckermarktordnung (ZMO) begrenzt Mengen und Quotenpreise. Wachstum ist für Fuchs das Gebot der Stunde. Der Säckel ist gut gefüllt. Der Cash Flow konnte durch erhebliche Kosteneinsparungen in den Werken und Produktionsprozessen auf 199 Mio. € steigen. Und freudig berichtet Finanzvorstand Noth, dass 2015 keine neuen Schulden aufgenommen werden mussten. Gelassen gibt sich Vorstandsmitglied Dr. Lars Gorisson im Rückblick auf die Verhandlungen mit den Rübenlandwirten zu den neuen Preissystemen ab 2017. Ab 30.5 können die Anbauer über das Onlineportal die neuen Verträge für die Kampagne 2017/18 zeichnen. Die Verhandlungsabschlüsse mit dem Dachverband der Norddeutschen Rübenanbauern (DNZ) hätten dem Image des Unternehmens nicht geschadet. Die Anbauer könnten unter drei Varianten wählen.

Für Schadensersatzklagen gewappnet

Auch vor den Schadensersatzklagen von Zuckerkunden, die sich auf die früheren Preisabsprachen bei Zucker beziehen, ist Fuchs nicht bang. Hier seien Rückstellungen gebildet, aber die Verfahren dürften noch lange anhalten. Und man habe sich mit vielen Kunden außergerichtlich geeinigt. Vielmehr hat er jetzt schon Kunden, die erste Kontrakte für 2018 geschlossen haben. Denn dass der Zuckerpreis in den kommenden zwei Jahren noch steigen dürfte, daran glaubt Fuchs. Denn bis das aktuelle Defizit von Produktion und Verbrauch auf dem Weltmarkt von aktuell 9 Mio. t wieder ausgeglichen sei, dürfte so lange dauern. (da)
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