Nordzucker-Chef Hartwig Fuchs strotzt vor Optimismus. In einer ersten Prognose zum Ebit der Nordzucker AG 2016/17 dürfte dieses in einer Spanne von 120 bis 140 €/t liegen und weitaus besser als im Vorjahr ausfallen. Höhere Zuckerpreise und das straffe Sparprogramm im Konzern haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Das Unternehmen ist bestens auf die „Welt ohne Quoten" ab 1. Oktober 2017 vorbereitet. Rund 46 Prozent der Landwirte haben sich vertraglich für einen Dreijahresvertrag mit festem Zuckerpreis entschieden. Dieses Angebot ist in Deutschland einzigartig.

Zehn Prozent mehr Rüben verarbeiten

Etwa 34 Prozent haben im vergangenen Juni sich für drei Jahre verpflichtet aber mit variabler Preisfeststellung. Die Entscheidung für die Zuckerrübe sei in den meisten Fällen wegen des Preises gefallen. Denn die Rübe steht in starker Konkurrenz zum Raps. Deshalb hat sich das Unternehmen entschieden, eine Fixpreisvariante anzubieten. Nordzucker will mit der Preiszusage verhindern, dass Landwirte zur Konkurrenz abwandern. Mit dem nun erfolgten hohen Zuspruch der Landwirte geht Fuchs mit einer um etwa zehn Prozent höheren Rübenverarbeitung in der Kampagne 2017 gegenüber Vorjahr aus. Die Kampagne dürfte länger als bisher ausfallen und die Zuckerfabriken könnten jetzt flexibel jährlich 2 bis mehr als 3 Mio. t Zucker produzieren. Ab Mai wird die Bioethanolanlage in Klein-Wanzleben modernisiert. Künftig will Nordzucker die Bioethanolproduktion strikt am Markt ausrichten und nur Ethanol produzieren, wenn der Kurs auf 430 €/t steigt.

EU-Preis sinkt ab Oktober

Keine Illusionen macht sich der Manager über die Preisentwicklung von Zucker in der EU. Er dürfte um rund 100 €/t niedriger ausfallen, wenn die Schranken fallen. Allerdings ist er sicher, dass die Abnehmer für EU-Zucker eine Prämie auf den Weltmarktpreis zahlen, die oberhalb von 20 €/t angesiedelt sein dürfte. Denn die Kunden schätzen die Qualitätsstandards und Rückverfolgbarkeit von EU-Zucker, die andere Destinationen nicht bieten können. Aktuell reicht der Weißzuckerpreis ab Werk von 600 bis 650 €/t.

Geld für Übernahmen ist vorhanden

Doch „Wachstum auf dem Zuckermarkt findet nach der Quotenwelt nicht in der EU, sondern im Ausland statt“, sagte der Nordzucker-Vorstand im Gespräch mit Journalisten. Deshalb schaut sich das Unternehmen nach potentiellen Unternehmen in Südamerika, Südostasien und Afrika um. Der Geldbeutel im Braunschweiger Konzern ist gut gefüllt. Auch Projekte in der EU stehen im Visier. Auf dem europäischen Markt nimmt die Konzentration zu. Bis 2020 könnte sich die aktuelle Herstellerzahl von rund 25 auf mehr als die Hälfte reduzieren. Bis zur Hauptversammlung im Juli hofft Fuchs, mehr zu den geplanten Zukäufen präsentieren zu können. Die Geschäftszahlen 2016/17 stehen am 24. Mai fest. (da)
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