Frauen

Nur jeder dritte Selbstständige ist weiblich


Die Wiedervereinigung hat in Deutschland den Trend zur Selbstständigkeit befeuert – bei Frauen wie Männern. Waren zu Beginn der 1990er Jahre nur 5 Prozent der erwerbstätigen Frauen ihre eigene Chefin, betrug die Selbstständigenquote zu Beginn des neuen Jahrtausends immerhin nahezu 7 Prozent. Zum größten Teil dürfte dieser Zuwachs dem Nachholbedarf in den neuen Bundesländern geschuldet sein, meldet das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW). 2005 erreichte der Anteil der selbstständigen Frauen an allen weiblichen Erwerbstätigen 7,5 Prozent, das war der höchste Stand seit 1960 in Westdeutschland. 


Zuletzt ist die Selbstständigenquote wieder leicht zurückgegangen. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung boomt. Absolut gesehen hat die Zahl der weiblichen Selbstständigen von 2011 bis 2014 um 35.000 auf 1,36 Millionen abgenommen. Männer leiten dabei immer noch doppelt so oft ein Unternehmen wie Frauen, heißt es in der IW-Analyse.


Auch in der Branchenwahl zeigt sich ein eindeutiges Bild. Neun von zehn unternehmerisch tätigen Frauen sind im Bereich der unternehmens- und personen­bezogenen Dienstleistungen, im Handel und in der Gastronomie aktiv. Im Produzierenden Gewerbe mit seinen größeren und technologiestärkeren Firmen gibt es lediglich 79.000 weibliche Selbstständige. Eine Ursache sei, dass Frauen meist MINT-ferne Studienfächer wählten. Männer dagegen könnten praktisch aus dem Studium heraus ein technologieorientiertes Start-up gründen, so das IW.

Der Girls' Day bietet Mädchen, aber auch Jungen, die Möglichkeit, praxisnah in Berufe hinein zu schnuppern, in denen sie bisher noch unterrepräsentiert sind. Die Aktionstage am 28. April tragen dazu bei, die nicht mehr zeitgemäße Aufteilung in sogenannte "Frauen- und Männerberufe" aufzulösen. Interessierte Unternehmen können sich in den Girl's Day Radar eintragen. (kbo)
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