Dagmar Behme zur Innovationsförderung

Innovation ist das neue Zauberwort für die deutsche Landwirtschaft. Allerorten wird sie als Schlüssel gepriesen, um die Welternährung zu sichern und gleichzeitig die Nachhaltigkeit zu erhöhen. Bundesagrarministerin Ilse Aigner hat dazu sogar eine eigene Innovationspartnerschaft aus der Taufe gehoben. „Wir wollen gute Ideen und Entwicklungen schneller auf das Feld und in den Stall bringen“, lautet das hochgesteckte ministerielle Ziel. Mit den Mühen der Ebene rackern sich dagegen Landwirte und ihre Marktpartner ab. Sie tun sich auf heimischer Scholle schwer, Methoden der modernen Landwirtschaft auch nur im Ansatz zu verteidigen.

Wer aus dem Ausland kommt, wundert sich. Dass es in Deutschland keinesfalls an Innovationen fehlt, zeigt allein die heimische Landtechnikindustrie mit einer Exportquote von 70 Prozent. Das Gleiche gilt für deutsche Pflanzenschutzmittelhersteller, die ihre globale Führungsposition von hier aus ausgebaut haben. International ebenfalls begehrt sind in Deutschland ausgebildete Agrarberater. Wachsender Beliebtheit erfreuen sich im Ausland schließlich deutsche Lebensmittel. Heimische Konsumenten entwickeln im Supermarkt dagegen so gar keine rechte Begeisterung für die Marke „Made in Germany“ – es sei denn, sie vermittelt Produktionstechniken, die etwa vor 50 Jahren als Standard gelten konnten. Moderne oder gar innovative Verfahren stoßen oft auf heftigen gesellschaftlichen Widerstand. Wachstum, Konzentration oder internationale Arbeitsteilung sind in Verbindung mit der Lebensmittelerzeugung aus deutschen Landen verpönt.

Die deutsche Landwirtschaft trägt daran eine Mitschuld, kann aber auch selber aktiv einen Sinneswandel befördern. Jahrzehntelang ist jeglicher Strukturwandel als „Höfesterben“ oder – schlimmer noch – als „Bauernsterben“ diskreditiert worden. Bauernverbände und viele Landwirtschaftsminister haben viel zu lange die Entwicklung zu effizienten Strukturen als unerwünscht abgestempelt. Dass sie nicht aufzuhalten ist, legt die offizielle Statistik vor allem in Süddeutschland nicht immer offen. In den Dörfern ist der Wandel dennoch augenfällig. Mehr Aufrichtigkeit wäre auch angesichts der zunehmenden Handelsverflechtungen angebracht. Es ist sicher reizvoll, in Deutschlands Gunstlagen den Sojaanbau zu testen. Selbstversorgungspläne für Eiweißfuttermittel sind jedoch reines Wunschdenken. Wer hier nicht mit offenen Karten spielt, braucht sich auch nicht wundern, wenn sich das Gegenüber getäuscht fühlt und grundsätzlich misstrauisch reagiert – oder Forderungen an die deutsche Landwirtschaft formuliert, die sich zwar in Nischen erfüllen lassen, aber wenig mit innovativen Bewirtschaftungsformen zu tun haben.

Deutsche Landwirte haben allen Grund, offensiv für ihren Agrarstandort zu werben, um den sie viele Kollegen im Ausland beneiden. Wenn es Defizite gibt, ist es sinnvoll, sie zu beseitigen. Dazu gehören auch Wachstum und Strukturwandel. Wichtig ist, durch glaubwürdige Kommunikation das Misstrauen abzutragen, das sich in langen Jahren aufgebaut hat.
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