Die Förderung landwirtschaftlicher Exporte ist eine der wichtigsten Prioritäten für den Agrarsektor in Osteuropa und Zentralasien, teilt das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) mit. Eine Bestandsaufnahme und der Austausch von Erfahrungen sei nötig, da die Länder dieser Regionen noch im Aufbau von Institutionen und der Umsetzung von Programmen stecken. Während des zweitägigen Expert Round Table "Best Practices in der Exportförderung: Erfahrungen aus Lateinamerika, Europa und Zentralasien", der gemeinsam von der FAO und dem IAMO ausgerichtet wurde, diskutierten die Teilnehmer, um den Export in Osteuropa und Zentralasien zu fördern.

Für den Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse und Lebensmittel in neue, ausländische Märkte müssten zunächst die Vorlieben der Verbraucher vor Ort unter die Lupe genommen werden. Ebenso sei es nötig, Prüf- und Zertifizierungsverfahren auszubauen, um die Qualität der Produkte zu gewährleisten. Für unerlässlich halten sie darüber hinaus eine aktive Positionierung nationaler Produkte im Ausland, beispielsweise durch Messen oder die Entwicklung positiver Länderimages und Marken. Viele Länder verfügen zudem über spezialisierte Agenturen zur Exportförderung, die den privaten Sektor entscheidend bei Exportaktivitäten unterstützen. In Lateinamerika sind das beispielsweise ApexBrasil und ProChile. Auch die Bedeutung der Handelsmissionen wurde hervorgehoben. Mit ihren Agrarattachés und Vertretern spielen sie eine entscheidende Rolle beim Aufbau von Handelsbeziehungen und zur Lösung von Handelsfragen.

Interesse an polnischen Produkten steigt

Dariusz Gozsczyński, Stellvertretender Direktor der Abteilung Agrarmärkte im polnischen Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, erläuterte erfolgreiche Kampagnen der Exportförderung in Polen. Mit dem Aufbau eines positiven Images für polnische Agrarprodukte, Maßnahmen der Qualitätskontrolle und Marketingaktivitäten konnten ein Interesse an traditionellen polnischen Produkten geweckt und neue Nischen für den Export geschaffen werden. Ähnlich erfolgreiche Ansätze wurden auch aus Estland präsentiert.

In den GUS-Staaten sind Maßnahmen zur Exportförderung, von denen die Landwirtschaft und die Lebensmittelindustrie profitieren würden, noch im Aufbau. Dmitry Bulatov, Präsident der National Union of Food Exporters in Russland, erklärte, dass ein Gesetz zur Förderung des Exports und weitere Vorhaben seitens der Regierung in Vorbereitung seien. Ähnlich ist die Situation auch in Kirgisistan. Die Regierung dort hat einen Exportförderungsplan für den Zeitraum von 2015 bis 2017 verabschiedet. Eine Reihe von Ländern, darunter Kirgisistan und Moldawien, haben festgelegt, in welchen Exportmärkten prioritär Werbemaßnahmen und andere Exportfördermaßnahmen umgesetzt werden sollen. Zu den Herausforderungen bei der Entwicklung von Maßnahmen zur Agrarexportförderung zählten die Teilnehmenden einen Mangel an Expertise in der Lebensmittelerzeugung und die Notwendigkeit gesundheits- und pflanzenschutzrechtliche Systeme auszubauen sowie Zertifizierungen zu entwickeln, die helfen, Zugänge auf Exportmärkten zu erleichtern. Prioritär schätzten Experten auch Maßnahmen zur Erleichterung des Handels ein. Insbesondere wurden hier die Vereinfachung von Zollverfahren und des Grenzverkehrs benannt.

Insgesamt präsentierten 32 Experten aus 18 Nationen. Unter den Teilnehmenden waren Vertreter aus der FAO-Zentrale und dem FAO-Regionalbüro für Europa und Zentralasien, aus dem IAMO, aus Landwirtschafts- und Wirtschaftsministerien, aus Exportverbänden und wissenschaftlichen Institutionen in osteuropäischen Ländern. (az)
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