Brigitte Stein zum Wasserschutz

Deutschland ist ein wasserreiches Land. Das mögen derzeit nur wenige, die auf die Landwirtschaft blicken, so empfinden. Immer mehr Regionen steuern offenbar auf die gefürchtete Frühjahrstrockenheit zu. Wenn es um den globalen Schutz der Wasserreserven, gilt Deutschland keineswegs als dürregefährdet. Doch steht die Rolle der Landwirtschaft stets unter scharfer Beobachtung – als Wasserverbraucher, -verschwender, -verschmutzer. Ohne Wasser klappt die Erzeugung von Nahrungsmitteln nun einmal nicht. Fest steht, dass die Landwirtschaft eine zentrale Rolle spielen muss beim Schutz der wertvollen Ressource. Intensiv wird derzeit diskutiert, die europäische Wasserrahmenrichtlinie in das Cross-Compliance-System einzubinden.

Dahinter wird eine aufwendige Detailarbeit stecken, die in den Ländern geleistet werden muss, um den Wassersorgen wirklich aller Standorte gerecht zu werden. Beispielhaft für die Unterschiede sind die Lösungen zum Wasserentnahmeentgelt: Vom geplanten Wassercent in Rheinland-Pfalz sollen die Landwirte befreit werden, wohingegen sie in Sachsen-Anhalt ab dem kommenden Jahr zur Kasse gebeten werden.

Weitere Auflagen für die Landwirtschaft zum Schutz des Wassers werden folgen. Daran besteht kein Zweifel. Dass sich ein Drittel der Grundwasservorkommen in Rheinland-Pfalz wegen der Nitratfracht nicht als Trinkwasser eignet, wird Thema eines Folgekapitels im dortigen Landtag. Es zeichnet sich deutlich ab, dass der Wasserschutz auf europäischer Ebene mit der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik und dem Greening verknüpft wird. Dies wird aber nicht im Galopp zu bewältigen sein. Zu unterschiedlich sind die Bedingungen vor Ort. So zerbrechen sich Erzeuger in besonders trockenen Gebieten den Kopf, wie die Frühjahrstrockenheit zu beherrschen ist. Andernorts ist die Freude groß, wenn es mit der Drainage der lange durchnässten Flächen endlich wieder vorangeht.

Darum brauchen Landwirte ganz konkrete Hinweise für ihren individuellen Standort, was zu tun ist: Die Fruchtfolge anpassen? Oder die Aussaatstärke? Oder die Pflanzenschutz- und Düngestrategie? Dafür bilden Sortenversuche, die ganz gezielt unterschiedliche Boden-Klima-Räume betrachten, den zuverlässigsten Hintergrund. Sie liefern dem Landwirt auch Unterstützung beim Wassermanagement vor Ort. Pläne, hieran zu sparen, sind kontraproduktiv.

Auch die Länderexperten werden gerne auf amtliche Versuche zurückgreifen, wenn sie Sinn und Machbarkeit von Wasserschutzauflagen für die unterschiedlichsten Standorte mit den Praktikern diskutieren. Exakte Ergebnisse aus genau definierten Boden-Klima-Räumen geben Argumenten Rückhalt. Zweifellos muss die Landwirtschaft Interesse am Schutz ihres Betriebsmittels Wasser haben. Das zeigen unter anderem die „Leitbetriebe Wasserwirtschaft“ in Rheinland-Pfalz, die praktizierten Gewässerschutz vorleben. Dennoch sind fundierte Argumente aus offiziellen Versuchen passgenau für jeden Standort schon allein für die Herkulesaufgabe Wasserschutz unentbehrlich.
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