Report Pflanzenschutz

Passgenaue Beratung für die Region

Geschäftsführer Hanspeter Maas (r.) und Pflanzenbau-Spezialist Jan-Bernd von Mulert entwickeln Lösungen für Tierhalter.
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Geschäftsführer Hanspeter Maas (r.) und Pflanzenbau-Spezialist Jan-Bernd von Mulert entwickeln Lösungen für Tierhalter.

In der intensiven Veredelungsregion am Niederrhein und im westlichen Westfalen hat der Pflanzenschutz ein anderes Gewicht als in Ackerbauregionen. Wichtigste Feldfrucht ist Mais mit einem Anteil von 50 bis 60 Prozent der Ackerfläche. Immerhin stehen im Einzugsgebiet der Agri V rund 55 Prozent der Milchkühe und 23 Prozent der Schweine Nordrhein-Westfalens. Hinzu kommen mehr als 60 Biogasanlagen im Einzugsgebiet. Getreide, Kartoffeln und ein intensiver Gemüseanbau teilen sich die restlichen Flächen. Der Rapsanbau ist unbedeutend, da die viehstarken Betriebe die Flächen für Getreide und Futter benötigen.

„Das meiste Geld in der Region wird im Stall verdient und die Arbeiten im Kuh- oder Schweinestall binden Zeit, die für den Ackerbau fehlt“, weiß Jan-Bernd von Mulert. Der Pflanzenbauexperte der Genossenschaft nennt ein typisches Beispiel: „Wenn ein Milcherzeuger seinen Weizen spritzen muss, aber gleichzeitig die Grassilagebereitung und die Maisaussaat anstehen, hat er kaum Zeit für Splitting-Maßnahmen. Er braucht dann sichere Mittel, auch wenn es möglicherweise etwas teurer wird als im klassischen Ackerbaubetrieb“, beschreibt von Mulert die Entscheidungsfindung.

Seine Pflanzenschutz-Beratung unterscheidet sich zwar nicht substanziell von den Empfehlungen der Industrie oder der Landwirtschaftskammern. Es geht um die Umsetzung. Die Genossenschaft bietet für die Betriebsgrößen spezialisierte Konzepte, die auch für Lohnunternehmer passen müssen, mit denen eine intensive Zusammenarbeit besteht. Diese führen häufig den Pflanzenschutz und die Düngung für kleinere Betriebe durch.

In der Philosophie des Unternehmens fängt effektiver Pflanzenschutz aber beim Saatgut an. Eine Dienstleistung ist die Beizung von Maissaatgut. Um die Anlage besser auszulasten, entwickelte die Genossenschaft vor fünf Jahren ein spezielles Angebot. Dabei wird das Saatgut in einer Flüssigbeizung mit Nährstoffen ummantelt, um den Start der Pflanze und die Wurzelbildung zu verbessern. „ProCorn“ nennt sich das System, mit dem zurzeit Getreidesaatgut für 1500ha und Maissaatgut für 1600ha behandelt werden. Die Nachfrage nimmt stetig zu, denn die Schäden durch Wildgänse haben sich durch das Verfahren deutlich verringert. Die Gänseplage nimmt gerade am Niederrhein zu. Wenn Getreide und Mais durch die Spezialbeize schneller kräftige Wurzeln bilden, so die Erfahrung der Landwirte, können die Vögel die Pflanzen nicht mehr so ohne Weiteres aus dem Boden rupfen.

Schwergewicht im Westen
Die Agri V Raiffeisen mit Sitz in Borken-Burlo erstreckt sich mit ihrem Einzugsgebiet auf die Kreise Kleve, Wesel und Borken. Sie ist 2009 entstanden, als die Genossenschaften in Sonsbeck und Raesfeld/Kirchhellen fusionierten. Mitte 2015 stieß die Raiffeisen Westmünsterland, Borken, zum Verbund. Heute unterhält die Genossenschaft 15 Betriebsstellen, beschäftigt 215 Mitarbeiter und erzielte im Wirtschaftsjahr 2015/16 einen Gesamtumsatz von 259 Mio.€. Ein Schwerpunkt ist das Mischfuttergeschäft mit einem Absatz von rund 317000t. Die Getreideerfassung lag im Vorjahr bei etwa 134000t. Der Umsatz mit Pflanzenschutz beträgt rund 8,5 Mio.€ im Jahr.
Ein weiterer Nebeneffekt der größeren Wurzelmasse ist eine erhöhte Aufnahme des im Boden gebundenen und in den Veredlungsregionen unerwünschten Phosphors. Der Mehrpreis der Nährstoff-Beize liegt bei etwa 15€/ha für Getreide und bei knapp 12€/ha für Mais. Der Mehraufwand lohnt sich nach Angaben der Genossenschaft. Sie argumentiert mit Versuchen, in denen Weizen bis zu 7Prozent Mehrertrag und Mais bis zu zweistellig höhere Stärkegehalte sowie eine bessere Verdaulichkeit gebracht haben. Auf leichten Böden überstehen die mit Nährstoff gebeizten Pflanzen trockene Perioden zudem besser als vergleichbare Bestände. „Wir setzen mit unserem Pflanzenbaukonzept quasi an der Wurzel an. Die bessere Nährstoffaufnahme hilft unseren Landwirten auch, den Anforderungen der Düngeverordnung besser zu entsprechen“, so Hanspeter Maas, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Genossenschaft.

Die Agri V hat die benötigten Pflanzenschutzmittel in der Regel auf Lager und beliefert Landwirte „just in time“. Im Sortiment befinden sich vorwiegend Markenprodukte. Fungizide im Kartoffelbau oder Getreide- und Maisherbizide werden auch als Generika vertrieben. Hier setzt die Genossenschaft aber ausschließlich auf sichere Herkünfte oder bewährte Mittel von alteingesessenen europäischen Firmen. Auch Parallelimporte, die nachweislich von den Herstellern direkt kommen, finden sich aus Preisgründen gelegentlich im Angebot.

Für von Mulert ist bei Fungiziden ein konsequentes Resistenzmanagement und ein Wirkstoffwechsel das Gebot der Stunde. „Noch können wir mit Carboxamiden, Azolen und Strobilurinen die ganze Klaviatur spielen“, sagt der Berater. Das würde sich ändern, wenn Epoxiconazol oder Tebunocazol die Zulassungen verlieren. „Dann bekommen wir echte Probleme, denn die wenigen Azolen können nur dann ihre Wirksamkeit aufrecht erhalten, wenn wir auch innerhalb dieser Gruppe konsequent wechseln“, fordert der Pflanzenbau-Experte. (St)
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