Im Pferdefleisch-Skandal ist in Großbritannien nun auch die Rede von Schmerzmittel-Funden. Empfehlung der EU-Kommission könnte Anlass des Betrugs sein. Aigner fordert Ermittlungen der Justiz.

Ein Verbot von billigem Hackfleisch aus britischer Produktion könnte nach Darstellung der Zeitung "The Times" eine Ursache des Skandals um falsch ausgewiesenes Fleisch sein. Im vergangenen Jahr hatte die britische Lebensmitteaufsicht auf Empfehlung der EU-Kommission die Verarbeitung von maschinell gefertigtem Hackfleisch mit Sehnen untersagt. Da die Hersteller die Preise niedrig halten wollten, sei ihr Ausweichen auf billiges Pferdefleisch aus dem Ausland geradezu vorprogrammiert gewesen, schreibt das Blatt.

Zusätzlich wurde in dem Pferdefleisch aus Großbritannien, das in Frankreich in die Lebensmittelkette gelangt ist, das auch für Menschen schädliche Schmerzmittel Phenylbutazon (Bute) nachgewiesen. Dies berichtet der britische Radiosender BBC.

Inzwischen ist auch im deutschen Lebensmittelhandel Ware mit Anteilen von Pferdefleisch gefunden worden. Die Produkte sollen von einer französischen Firma geliefert worden sein. Die beigemischte Menge liege bei einem bis fünf Prozent.

Nach Nordrhein-Westfalen hat auch das Verbraucherschutzministerium in Stuttgart mitgeteilt, dass Tiefkühl-Lasagne aus dem Handel genommen worden sei. Auch in Brandenburg wurde Tiefkühl-Lasagne in einem Lager vorsorglich sichergestellt. Die Handelsunternehmen Edeka, Real, Tengelmann, Eismann und Markant sind bislang tätig geworden.

NRW-Verbraucherminister Johannes Remmel (Grüne) forderte laut dpa eine zentrale Internet-Plattform, um Verbraucher über verdächtige Produkte, Rückrufaktionen und Pferdefleischfunde zu informieren.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) forderte unterdessen Ermittlungen der Justiz zur Aufklärung. Es verfestigte sich nach Ansicht der Ministerin der Verdacht, dass in diesem "beispielosen Betrugsfall" mit hoher krimineller Energie vorgegangen worden sei.

Währenddessen reagierte die EU mit der Veranlassung von Reihen-DNA-Tests sowie Untersuchungen auf Phenylbutazon. Die Europäer verspeisen nach offiziellen Angaben der EU-Kommission wissentlich jährlich 110.000 Tonnen Pferd. (HH/hed)
stats