Pflanzenschutz in Gefahr


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Die Beratungen in Brüssel um neue Pflanzenschutzgesetze alarmieren die Hersteller. Der Industrieverband Agrar (IVA) warnt vor zusätzlichen Auflagen für die Genehmigung von Wirkstoffen. Krankheiten in den Beständen könnten dadurch wieder zum Problem werden. "Innovationsfeindlich und praxisfern", kommentierte IVA-Präsident Hans Theo Jachmann die Vorschläge der EU-Kommission zur künftigen Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. Die Industrie wehrte sich auf einer Pressekonferenz am Montag in Brüssel vor allem gegen zusätzliche Ausschlusskriterien bei der Zulassung. Überzogen reagierten die Kommission und vor allem die Europaabgeordneten im Umweltausschuss, kritisierte Jachmann. Jachmann schätzt, dass durch die geplanten Ausschusskriterien bis zu einem Drittel der Wirkstoffe wegfallen. Ein Resistenzmanagement sei dann nicht mehr möglich. Weiterhin bemängelt der IVA eine Schwächung des Datenschutzes. Bei einer wiederholten Zulassung soll die Industrie nach den Kommissionsplänen ihre Daten offen legen. Damit verblieben den Herstellern nur noch zehn Jahre ohne Imitatoren, um die Kosten von neuen Produkten wieder reinzuspielen. Das reiche für Investitionskosten zwischen 100 und 200 Mio.€ nicht, warnte Jachmann vor der drohenden Innovationsbremse aus Brüssel.

Der IVA ist zuversichtlich, das Schlimmste in den Beratungen in Brüssel abwenden zu können. Die Meinung zu Pflanzenschutzmitteln habe sich in der Öffentlichkeit verbessert, vermutet Jachmann. In Zeiten, in denen Nahrungsmittel, Futtermittel und technische Rohstoffe um die Flächen konkurrierten, sei das Klima gegenüber ertragssteigernden Maßnahmen wohlwollender geworden. (Mö)

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