Report Saatgut Raps

Pflanzenschutz mit Crispr-Cas

Auf Versuchsfeldern des Bundessortenamtes wird die Arbeit der Rapszüchter getestet.
-- , Foto: has
Auf Versuchsfeldern des Bundessortenamtes wird die Arbeit der Rapszüchter getestet.

Falls neue Methoden wie Crispr-Cas9 künftig zum Werkzeugkasten von Züchtern gehören, könnte dies die Resistenzzüchtung gegen Rapsschädlinge beflügeln. Und zwar dann, wenn es Züchtern gelingt, Duft- oder Botenstoffe zu unterdrücken, die Schädlinge anlocken.

Hier stehen Züchter allerdings noch am Anfang, sagt Dietmar Brauer, Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke (NPZ). Zunächst müsse die Wissenschaft den Lockreiz für jeden Schädling erforschen. Anschließend müssten Pflanzengene, die für den Reiz kodieren, identifiziert werden. Erst dann kann die Genschere Crispr-Cas9 zum Einsatz kommen und das Gen ausschalten. „Viele Jahre gehen ins Land, bis wir am Ziel sind“, prophezeit Brauer.

Besonders für das Sortenspektrum von Raps sieht Brauer großes Potenzial: Da diese Kulturart sehr jung sei, fehle ihr bisher die Variabilität. Variabilität erreicht man zum einen durch Kreuzung mit Wildtypen, zum anderen durch Mutationszüchtung oder neue Züchtungsmethoden wie Crispr-Cas9.

Falls der Europäische Gerichtshof, vermutlich im nächsten Jahr, entscheidet, dass die neue Methode nicht als Gentechnik eingestuft und reguliert wird, kann Crispr-Cas9 leistungsfähiges Sortenmaterial schaffen, so Brauer. Das gelte aber nicht für das Ertragspotenzial: Ertrag ist ein quantitatives Merkmal, das von mehreren Genen gesteuert wird. Viele dieser Genorte im Genom sind bisher unbekannt.

Fehlende Beize kommt Landwirte teuer zu stehen

Vor dem Hintergrund des Neonicotinoidverbots ist ein Züchtungsfortschritt, unabhängig von der Methode, dringend notwendig. Landwirte wollen Sorten, die von Schädlingen verschmäht werden. „Erste Ansätze gibt es bereits für den Rapserdfloh“, sagt Brauer. „Allerdings darf der Anbau resistenter Sorten nicht missbraucht werden.“ Wenn die Rapskrankheit Kohlhernie in Regionen mit hohem Rapsanteil in der Fruchtfolge wie Mecklenburg und Schleswig-Holstein zunehmend zu einem Problem wird, sollten Landwirte unbedingt resistente Sorten anbauen. An anderen Standorten sei dies hingegen kontraproduktiv, weil es den Selektionsdruck erhöhe. „Gute ackerbauliche Tugenden bewähren sich immer“, so Brauer. Experten empfehlen weite Fruchtfolgen und eine penible Feld- und Maschinenhygiene.

Fest steht, dass der Anbau wegen des Beizverbots schwieriger und teurer wird. Je nach Befall müssen die Flächen zusätzlich im Herbst behandelt werden. Außerdem ist es aufwendiger geworden, die Schaderreger zu überwachen und den richtigen Behandlungstermin zu setzen. Ertragliche Einbußen schätzt die NPZ auf jährlich 5 Prozent im Bundesdurchschnitt. Das entspricht etwa 80 €/ha, die dem Landwirt zur Ernte fehlen.

Neue Technologien wie Crispr-Cas9 könnten langfristig Alternativen sein, die allerdings aufgrund des Forschungsbedarfs kostenintensiv sind. Deshalb könnte Saatgut künftig teurer werden. Doch zwischen heute, ohne insektizide Beizung, und morgen, mit Crispr-Cas9 gezüchteten Sorten, wird es neue insektizide Beizen geben, die spezialisierte Lösungen gegen Rapsschädlinge bieten.

Hoffnung auf europaweite Neuzulassung

Zurzeit liegt eine insektizide Rapsbeizzulassung in Polen vor, sagt Brauer. Die Branche hofft, dass diese bald eine europaweite Zulassung und Anwendung erhält. Weitere insektizide Rapsbeizen sind laut Experten in Vorbereitung. Aber auch diese klassischen Beizmittel werden künftig mehr Geld kosten, weil die Umweltstandards und Ansprüche an die Produkte steigen. (has)
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