Der mögliche SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück will die Rohstoffspekulation eindämmen. Das Bundeskabinett nimmt sich den Hochfrequenzhandel vor.

Die Bundesregierung betrachtet es als riskant, wenn Kursbewegungen an Börsen über Computer gestützte Programme beschleunigt werden. Der Handel über algorithmische Programme, die in Sekundenbruchteilen Kaufs- und Verkaufssignale aussenden, soll entschleunigt werden.

Einen entsprechenden Gesetzesentwurf zur strengeren Regulierung des Hochfrequenzhandels hat am heutigen Mittwoch das Bundeskabinett gebilligt. Er beinhaltet strengere Zulassungspflichten für solche Hochfrequenzhändler. Außerdem sollen Börsen dazu angehalten werden, bei auffälligen Kursschwankungen den Handel auszusetzen, um die Ursache für die Preisbewegung zu klären. Der Gesetzentwurf wird nun von Bundestag und Bundesrat beraten. In einer Pressemitteilung betont die Bundesregierung, dass sie die „Finanzmarktregulierung entschlossen verfolgt“.

Auf den Handel mit Agrarrohstoffen in Europa dürfte diese Regulierung wenig Einfluss haben, lauten erste Reaktionen von Marktkennern. Im Unterschied zur Chicago Board of Trade, wo im Handel mit Futures auf Getreide und Ölsaaten auch Finanzmarktanleger nachweislich eine größere Bedeutung haben, wird deren Engagement etwa an der Euronext (Matif) in Paris nicht in öffentlich zugänglichen Statistiken erfasst. Da im Handel mit Agrarrohstoffen in Paris deutlich weniger Volumina bewegt werden als in Chicago, ist dem Hochfrequenzhandel dort wahrscheinlich eine geringere Bedeutung beizumessen.

Am Dienstag hatte der mutmaßliche SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück seinen Vorschlag zur Regulierung der Finanzmärkte der SPD-Bundestagsfraktion vorgestellt. Steinbrück betrachtet darin Warentermingeschäfte mit Rohstoffen ohne Bezug zu realem physischen Warenaustausch als riskant. Vor dem Bundestagswahlkampf 2013 macht Steinbrück sich so das Thema Spekulation zu Eigen. (pio)
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