In Polen ist ein Streit um die Höhe der Getreidevorräte entbrannt. Landwirte halten die Zahl in der offiziellen Bilanz für zu hoch und machen sie für Preisdruck verantwortlich. Das Statistische Amt in Warschau weist für das Wirtschaftsjahr 2009/10 Endbestände an Getreide in Höhe von 5,5 Mio. t aus. Solche Vorräte sind für Polen ungewöhnlich hoch - in Durchschnittsjahren erreichen die Bestände maximal die Hälfte des aktuell ausgewiesenen Wertes. In den offiziellen Bilanzen errechnen sich die hohen Vorräte aus einer Rekordernte 2009, die den Inlandsverbrauch bei Weitem übersteigt.

„Alle haben uns gesagt, dass Getreide im Überfluss vorhanden ist und damit niedrige Preise begründet", klagt ein Getreideerzeuger gegenüber dem polnischen Fernsehsender TVP. Mittlerweile bezeichnet der Getreideerzeugerverband KFPZ die offizielle Bilanz jedoch als „Märchen". Auch im Agrarministerium in Warschau gibt es laut TVP Überlegungen, die Bilanz zu überprüfen.

Dagegen verteidigen Branchenvertreter der Mühlen und Futtermittelhersteller die offizielle Statistik. Es gäbe zurzeit keinen Grund, die Kompetenz des Statistischen Amtes anzuzweifeln. Außerdem biete niemand anderes im Land ein System, um zuverlässige Daten zu Angebot und Nachfrage von Getreide zu erfassen, argumentieren die Verarbeiter. (db)
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