Report Agritechnica

Praktikable Lösungen für den Acker gesucht

Im Rahmen der Berufsorientierung besuchen Schüler Feldvorführungen in Lommatzsch/Sachsen.
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Im Rahmen der Berufsorientierung besuchen Schüler Feldvorführungen in Lommatzsch/Sachsen.

Welche Technik brauchen Landwirte auf dem Feld und im Stall, um Lebensmittel gesund, wirtschaftlich und nachhaltig zu produzieren? Diese Fragen stellen sich viele Unternehmen in Mitteldeutschland. Denn die Kundenwünsche nach angepasster Technik werden immer anspruchsvoller. Allerdings ist das Budget für Forschung und Entwicklung der Betriebe begrenzt. Was liegt näher, als sich in einem Netzwerk zusammenzuschließen und gemeinsam die Stärken eines einzelnen Unternehmens zu nutzen.

Viele Interessenten vereint

Im Kompetenznetzwerk Agrartechnik Sachsen/Agrosax haben sich rund 80 Landtechnikfirmen aus Mitteldeutschland zusammengeschlossen. Projektträger ist der Verein Agrosax aus Doberschau- Gaußig bei Bautzen. Im Dialog mit Wissenschaft, Politik und Landwir
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Im Kompetenznetzwerk Agrartechnik Sachsen/Agrosax haben sich rund 80 Landtechnikfirmen aus Mitteldeutschland zusammengeschlossen. Projektträger ist der Verein Agrosax aus Doberschau- Gaußig bei Bautzen. Im Dialog mit Wissenschaft, Politik und Landwir
Vor Kurzem wurde dazu der Arbeitskreis Landwirtschaft/Landtechnik im sächsischen Lommatzsch gegründet. Zur Auftaktveranstaltung des Arbeitskreises kamen rund 150 Besucher aus Politik, Wirtschaft und Beratung. Ziel ist es, den Betrieben in der Region passende Lösungen für die Arbeit in der Landwirtschaft anzubieten.

Initiiert wurde der Arbeitskreis durch das Kompetenznetzwerk Agrartechnik Sachsen/Agrosax. Die in diesem Verbund engagierten Landtechnikbetriebe in Brandenburg, Thüringen und Sachsen repräsentieren rund 80 Prozent des Branchenumsatzes in dieser Region. „Dieses Potenzial für innovative Produkt- und Technologieentwicklungen wollen wir gemeinsam ergebnisorientiert ausschöpfen“, sagte Thomas Richter, Vorstandsvorsitzender des Vereins Agrosax. Als einen wichtigen Verbindungspartner zur Landwirtschaft nennt Richter den Sächsischen Landesbauernverband. Dadurch kommen die Kundenwünsche direkt bei den Herstellern an. Bauernpräsident Wolfgang Vogel unterstreicht die Notwendigkeit dieser bundesländerübergreifenden Verzahnung von Landtechnikfirmen und Landwirten. Davon würden beide Seiten profitieren, so Vogel.

Die Landwirtschaft mit Smartphone und Laptop können Schüler von Lommatzscher Schulen im Schulungstruck der Landakademie Sonnenwalde kennenlernen.
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Die Landwirtschaft mit Smartphone und Laptop können Schüler von Lommatzscher Schulen im Schulungstruck der Landakademie Sonnenwalde kennenlernen.
Auch das Sächsische Landwirtschaftsministerium unterstützt das Netzwerk. Agrarminister Thomas Schmidt hält die Initiative von Berufsstand, Industrie und Wissenschaft für den richtigen Weg, um marktfähige Innovationen in der Agrartechnik zu generieren. Denn sie basiere auf der Grundlage von Bedürfnissen der landwirtschaftlichen Betriebe in Ostdeutschland. Dabei könne die vielgestaltige sächsische Forschungslandschaft einen gewichtigen Beitrag leisten, sagte Schmidt unter Hinweis auf die Technischen Universitäten (TU) in Dresden und Chemnitz, auf die das Netzwerk zurückgreifen könne.

So liefert der an der TU Chemnitz angesiedelte Bundesexzellenzcluster für Leichtbau neue Ansätze zur Entwicklung tragfähiger technischer Leichtbaulösungen. Leichtbaugeräte lassen sich vielseitig beim Anbau von nachwachsenden Rohstoffen einsetzen. Dieser Wirtschaftszweig befördert den Technologietrend Leichtbau. So werden beispielsweise biobasierte Kunststoffe, die Flachfasern enthalten, für die Produktion leichter Komponenten für den Maschinen- und Fahrzeugbau genutzt. Zum anderen fließen solche Entwicklungen in Landmaschinen ein, verringern deren Gewicht und ermöglichen eine schonende Bodenbearbeitung.

Stellvertretend für die Lohnunternehmen verwies Andrea Reinhardt, Geschäftsführerin Maschinenring und Betriebshilfsdienst Alt-Wettiner Land, darauf, dass in vielen Betrieben durchaus auch Maschinen für die Bewirtschaftung kleiner Flächen gefragt sind. Flexibilität und Multifunktionalität spielten für die Betriebe eine immer größere Rolle. Als Beispiel dafür nannte Reinhardt die Nutzung von Mähdreschern, die in ihrer Anschaffung sehr teuer seien und nur einen begrenzten Zeitraum im Jahr gebraucht würden, über die Erntezeit hinaus.

Bodenbearbeitung im Fokus

Netzwerk bringt Know-how zusammen
Im Kompetenznetzwerk Agrartechnik Sachsen/Agrosax haben sich rund 80 Landtechnikfirmen aus Mitteldeutschland zusammengeschlossen. Projektträger ist der Verein Agrosax aus Doberschau- Gaußig bei Bautzen. Im Dialog mit Wissenschaft, Politik und Landwirtschaft erhalten die Maschinenbauer konkrete Anregungen, was bei der täglichen Arbeit auf dem Feld oder im Stall benötigt wird. Danach richten sie ihre Produktentwicklungen aus.

Die Aufgabe des Vereins mit Sitz in Doberschau ist die Vernetzung der einzelnen Akteure. Zudem sammelt und bündelt das Netzwerk Anregungen und Ideen. Die sächsische Regierung unterstützt die 2013 gegründete Initiative. „Sie steht allen am Gestaltungsprozess in der Agrartechnik Interessierten offen“, erklärte Ines Reichel vom Kompetenznetzwerk Agrartechnik Sachsen/ Agrosax gegenüber der agrarzeitung (az).

Um sich noch intensiver auszutauschen, haben das Netzwerk und der Bauernverband Sachsen vor Kurzem in Lommatzsch den Arbeitskreis Landwirtschaft/Landtechnik vorgestellt. (da)
Technik, die den Konflikt zwischen Bewuchsbeseitigung und Emissionsschutz möglichst schonend löst, hält Heiko Gläser vom Verein Konservierende Bodenbearbeitung für dringend erforderlich. Sätechnik bis hin zur funktionierenden Einzelkornsaat, gezielte Pflanzendüngung sowie leicht konfigurierbare Maschinen und Geräte sind für den Berater konkrete Anforderungen an die Geräte zur Bodenbearbeitung.

Doch was nützt der technische Fortschritt in der Landwirtschaft, wenn es an Nachwuchskräften fehlt, die die Hightech-Maschinen auch bedienen können. Deshalb spielt neben dem Forschungsaspekt für die betroffenen Unternehmen die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter eine wichtige Rolle. Studien der Landakademie Sonnewalde verdeutlichen die Probleme, die sich unter anderem in einer immer größeren Zahl nicht zu besetzender Ausbildungsstellen und in vielen Wissensdefiziten zum Inhalt und den Perspektiven bei den grünen Berufen zeigt.

Die Landakademie steuert hier mit Programmen für Kinder schon im frühen Alter von fünf bis zwölf Jahren sowie für Jugendliche der Klassenstufen neun bis elf entgegen. Eigens dafür stellt die Akademie einen mobilen Farm-Schulungstruck bereit, der in Städten und Gemeinden Station macht. Im Inneren des Lastkraftwagens erfahren Jungen und Mädchen, dass Landwirtschaft von heute neben der Verbindung zum Boden und zum Tier ebenso Kenntnisse in Mechanik, Elektronik und Informatik braucht, um Maschinen und Geräte ökonomisch und ökologisch zugleich einzustellen und zu bedienen.

Reger Informationsaustausch auf dem Betriebsgelände der der Lomma Sachsen GmbH.
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Reger Informationsaustausch auf dem Betriebsgelände der der Lomma Sachsen GmbH.
Um ihr Interesse an landwirtschaftlichen Berufen zu wecken, waren zur Gründungsfeier des Arbeitskreises Landwirtschaft/Landtechnik Schüler von Lommatzscher Schulen eingeladen und gern gesehene Gäste. Sie konnten sich im Anschluss an die Referate im mobilen Schulungs-Truck sowie bei einer Technikvorführung über die Arbeit von Smartphone und Laptop auf dem Acker informieren. Aber auch die Qualifizierung von Quereinsteigern sowie die Integration von Asylanten hat sich die Schule auf die Fahne geschrieben. Diese Berufsgruppe könnte ebenfalls dazu beitragen, die Arbeitskräfteprobleme in der Landwirtschaft zu entschärfen. Dafür brauche es jedoch nach Einschätzung von Lehrern schnelle und praktikable Rahmenbedingungen seitens der Politik.

Interessante Projekte im Stall

Initiiert wurde der Arbeitskreis Agrartechnik vom Kompetenznetzwerk Agrartechnik Sachsen gemeinsam mit dem Sächsischen Landesbauernverband. Ansprachen finden in der Produktionshalle der Lomma Sachsen GmbH statt.
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Initiiert wurde der Arbeitskreis Agrartechnik vom Kompetenznetzwerk Agrartechnik Sachsen gemeinsam mit dem Sächsischen Landesbauernverband. Ansprachen finden in der Produktionshalle der Lomma Sachsen GmbH statt.
Ein weiterer Schwerpunkt des Fachgremiums ist neben Projekten zur Bodenbearbeitung und Pflanzenproduktion der Einsatz von technischen Innovationen in der Tierhaltung. Sensorische Regelsysteme sorgen beispielsweise für ein optimales Stallklima oder überwachen das Tierverhalten, um frühzeitig Krankheiten zu erkennen. „Gerade hier ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Veterinärmedizin und Technologieproduzenten gefragt“, betonte Prof. Alexander Starke von der Medizinischen Tierklinik der Universität Leipzig. (da)
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