Angewendet werden in Helmstorf in diesem Jahr auch wieder unterschiedliche Verfahren zur Aussaat und Bodenbearbeitung: links Strip Drill und rechts Mulchsaat.
-- , Foto: LWK Schleswig-Holstein
Angewendet werden in Helmstorf in diesem Jahr auch wieder unterschiedliche Verfahren zur Aussaat und Bodenbearbeitung: links Strip Drill und rechts Mulchsaat.

Während der Laufzeit des On-Farm-Research (OFR)-Projekts von bislang acht Jahren wurden insgesamt 180000 € investiert, um teilflächenspezifisch wirtschaften zu können. Das umfasst die Vor-, Um-, Nach- sowie Ausrüstung mit zumeist GPS-gesteuerter moderner Technik. Außerdem fielen in diesen Block die Kosten für die Kartierungen zur Erfassung und Beschreibung von Eigenschaften der Einzelschläge –teilflächenspezifisches Wirtschaften kostet Geld.

Schlämmanalyse als Alternative

Im Segment der Grunddüngung wurden zur Erfassung von Unterschieden alle Projektschläge in einem systematischen 1-ha-Raster beprobt. Nährstoffgehaltsunterschiede auf den etwa 300 Teilflächen waren vorhanden. Das betraf die untersuchten Nährstoffe Phosphat, Kalium, Magnesium und den pH-Wert. Für den Grundnährstoff- oder Düngebedarf ist die Nährstoffversorgung entscheidend. Sie wird durch den Bodengehalt sowie bei den Nährstoffen Kalium, Magnesium und dem pH-Wert auch durch die Bodenart bestimmt. Für alle Teilflächen ergab sich aus der Bodenuntersuchung zu Projektbeginn einheitlich die Bodenart sandiger Lehm. Das Ergebnis basierte auf der Methode der Fingerprobe, dem bundesweiten VDLufa-Standard für die Bodenartbestimmung und den Düngungsempfehlungen.

Das Östliche Hügelland ist jedoch für seine heterogenen Böden bekannt. Deshalb wurde mit der Bodenuntersuchung zur Projekthalbzeit die Bodenart nach Schlämmanalyse bestimmt. Es zeigten sich hierbei Bodenartunterschiede zwischen den Teilflächen sowie insbesondere eine andere Leitbodenart am Standort. Nach VDLufa-Schlämmanalyse auf Basis von Ton- und Schluffgehalt ergaben sich für die Teilflächen zu 25 Prozent anlehmiger Sand, zu 64 Prozent lehmiger Sand (neue Leitbodenart) und nur 11 Prozent sandiger Lehm. Durch den großen Anteil an leichteren Bodenarten verbesserte sich die Nährstoffversorgung der Teilflächen, ausgenommen ist davon das bodenartunabhängige Phosphat. Folglich bedurfte es zur Versorgungsoptimierung weniger Kalium, Magnesium und Kalk. Eine Bodenermittlung per Schlämmanalyse macht sich hier also hinsichtlich einer darauf angepassten Ausbringung von Grunddüngern bezahlt.

Das Projekt vergleicht betriebsübliche N-Düngung (manuell variabel), aktives Sensorsystem sowie Düngung mit reduzierter Gabenanzahl und anteilig stabilisiertem Stickstoff. Wirtschaftlich ließ das reine Online-Sensorsystem (Yara-N-Sensor) im Zeitraum 2008 bis 2012 keine Vorteile gegenüber der betriebsüblichen und der konstanten Düngung mit reduzierter Gabenanzahl erkennen. Auch hinsichtlich der N-Bilanz lagen alle drei Systeme am Standort auf vergleichbarem Niveau.

On Farm Research im Detail
Laufzeit: zehn Jahre, ab Herbstaussaat 2007
 
 Versuchsfläche: 300 ha, betriebliche Fruchtfolge
 Standort: Gut Helmstorf/Schleswig-Holstein, Östliches Hügelland
 Fruchtarten: Winterraps, Winterweizen nach Raps, Wintergerste, Winterweizen nach Weizen
 Anlage: Großflächenversuche, je Schlag und Variante ortsfestes Großteilstück sowie Kleinteilstücke
 Inhalte: Grunddüngung, Aussaat, Stickstoffdüngung, Bodenbearbeitung, Pflanzenschutz, alles teilflächenspezifisch
 Finanzierung: LWK Schleswig-Holstein, Stiftung Schleswig-Holsteinische Landschaft, Landwirtschaftliche Rentenbank

Neuer N-Sensor in Erprobung

Deshalb wurde ab der Ernte 2013 ein neues Sensorsystem in die Erprobung eingeführt. Es kombiniert im Map-Overlay-Verfahren Online-Sensoren mit einer Offline-/Ertragspotenzialkarte. Die N-Menge einer spezifischen Teilfläche regeln unabhängig voneinander die beiden Größen Pflanzenbestand und Ertragspotenzial. Für eine zielgerichtetere Düngung ist jedoch ein bisher nicht bestehender Ertragspotenzialkarten-Standard erforderlich. Erprobt werden unterschiedlich intensive Bodenbearbeitungs- und Aussaatverfahren – analog zum Pflugsaat-, Mulchsaat- und Direktsaatbetrieb. Fortlaufend wurde das Direktsaatverfahren für eine bessere Bestandsetablierung sowie Ertragssicherheit weiterentwickelt. Ab der Aussaat 2009 kam Sätechnik mit Unterfußdüngung zum Einsatz.

Maßnahmen gegen Schnecken

Mit der Einführung von ein- bis zweimaligem Striegeln zwischen Ernte und Aussaat galt es, das Stroh besser zu verteilen und ungünstigere Bedingungen für Mäuse und Schnecken zu schaffen. Trotzdem hielt die Direktsaat am Standort wirtschaftlich nicht mit den anderen Verfahren mit. Seit der Aussaat 2013 löst das Strip-Drill-Verfahren mit Unterfußdüngung und ein- bis zweimaliger flacher Vorarbeit sie als neue extensive Variante ab. In Vorerprobung läuft die teilflächenspezifische Mulchsaat mit einem tiefensteuerbaren Grubber.

Imke Bochardt für das Projektteam der Landwirtschaftskammer (LWK) Schleswig-Holstein und der Gutsverwaltung Helmstorf

www.lksh.de/landwirtschaft/pflanze/on-farm-research
stats