Prognose 2014/15

Preiseinbrüche auf ganzer Linie


Hohe Ernteerträge führen zu überversorgten Märkten. Die Konsequenz: schlechte Preise für Agrarerzeugnisse. Dieses Fazit zieht der Verband der Landwirtschaftskammern in Berlin in seiner heute vorgestellten Prognose für das laufende Wirtschaftsjahr 2014/15.

Liquiditätsprobleme erwartet

Um rund ein Drittel gegenüber dem Vorjahr sollen demnach die Betriebsergebnisse in der laufenden Saison sinken. Alle gängigen Zielgrößen wie etwa der fünfjährige Durchschnitt werden verfehlt. Eigenkapitalverluste und Liquiditätsprobleme werden nach Einschätzung des Verbands die Folge sein. Dies gelte vor allem für Betriebe, die großzügig investiert haben. Die Experten stützen ihre Prognose auf die Buchführungsergebnisse von Haupterwerbsbetrieben im Wirtschaftsjahr 2013/14, auf Ergebnisse des ersten Halbjahres und auf Trendanalysen.

Kartoffelschwemme drückt die Notierungen

Bei Getreide, Raps, Kartoffeln und Zuckerrüben wurden in der Ernte 2014 Ertragszuwächse gegenüber dem Vorjahr erzielt. In der Folge gaben die Preise für diese Kulturen bereits deutlich nach. Der Verband der Landwirtschaftskammern rechnet für das gesamte Wirtschaftsjahr mit Preisrückgängen gegenüber der Saison 2013/14. Bei Getreide reichen diese von 8 bis 13%; bei Raps geht die Prognose von einem Minus von 10 bis 14% aus. In beiden Fällen begründet der Verband seine Einschätzung mit weltweit hohen Ernten; ein zusätzlich hohes Binnenaufkommen könne „nur schlecht untergebracht werden“. Auch bei Zucker stehen die internationalen Märkte durch ein hohes Angebot unter Druck. Verschärft werde dieser Druck durch eine nationale Überversorgung. Alles in allem seien nachgebende Preise zwischen minus 8 und 15% hinzunehmen. Angesichts einer „Kartoffelschwemme“ brechen die Preise für Speisekartoffeln als freie Ware im Durchschnitt des gesamten Wirtschaftsjahres um 30 bis 60% ein, erwarten die Experten.

Milchpreise fallen um etwa 6 Cent

Eine weltweit erhöhte Milchproduktion bei gleichzeitig geringerer Nachfrage macht derweil dem Milchmarkt zu schaffen. Zusätzlich setzt der Importstopp Russlands der Milchwirtschaft zu. Im Ergebnis fehlen die Exportmöglichkeiten und der Milchpreis fällt, heißt es dazu in der Prognose. Für das gesamte Wirtschaftsjahr 2014/15 gehen die Landwirtschaftskammern davon aus, dass die Milchpreise im Südwesten um 12% und im Norden um bis zu 20% fallen werden. Das Ende der Milchquote ab 1. April 2015 werde vor diesem Hintergrund „mit Spannung erwartet“.

Markt für Schlachtkühe unter Druck

Ein etwas erhöhtes Angebot im Inland, eine schleppende Fleischnachfrage und reduzierte Exportmengen, vor allem nach Russland, sorgen auch im Handel mit Schlachtrindern für rückläufige Erzeugerpreise. Besonders deutlich – und zwar um 8% - dürften über das gesamte Wirtschaftsjahr 2014/15 hinweg die Erzeugerpreise für Schlachtkühe nachgeben. Denn größere Milchkuhbestände und nachgebenden Milchpreise sorgen dafür, dass mehr Milchkühe ausselektiert werden. Der Preis für Jungbullen wird nach Einschätzung der Landwirtschaftskammern weniger nachgeben: Hier stützen unter anderem sinkende Importe aus Südamerika den Markt.

Fehlende Absatzmöglichkeiten für Schweine

Auch der Markt für Schweine und Schweinefleisch steht unter einem schlechten Stern. Nachdem Ende Januar 2014 in Litauen die afrikanische Schweinepest ausgebrochen war, verhängte Russland ein Importverbot für Schweine und Schweinefleisch aus der gesamten EU. Mitte 2014 weitete Russland wegen der Ukrainekrise sein Importstopp auf alle Agrarprodukte und Nahrungsmittel aus der EU aus. Damit erhöhte sich das Fleischangebot am EU-Binnenmarkt. Nachgebende Notierungen waren bereits die Folge. Für das gesamte Wirtschaftsjahr 2014/15 gehen die Landwirtschaftskammern von einem Preisenrückgang um 7 bis 11% gegenüber Vorjahr aus – die Ferkelpreise sollen sogar um 14 bis 22% zurückgehen.

Sparpotenzial bei Betriebsmitteln

Einen Lichtblick bietet die Prognose für die Preisentwicklung bei Betriebsmitteln im laufenden Wirtschaftsjahr. So lassen sich den Landwirtschaftskammern zufolge bei Saat- und Pflanzgut Einsparungen von 3 bis 8%, bei Ferkeleinkäufen von 8 bis 20%, bei Futtermitteln von 7 bis 17% und bei Treib- und Schmierstoffen von 5 bis 10% realisieren. Unterschiedliche Einschätzungen gibt es in den Landwirtschaftskammern zu der Frage, ob der Jahresdurchschnittspreis für Dünger höher oder niedriger als im Vorjahr ausfallen wird: Hier reichen die Schätzungen von Preisrückgängen um 2% bis hin zu Preissteigerungen um 2%. (pio)
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