Milchmarkt

Private Molkereien besorgt


Mit dem Preisdruck werden Stimmen laut, die dringenden Handlungsbedarf der Molkereien und der Politik fordern. Damit wird der Eindruck erweckt, dass die derzeitige Marktsituation hausgemacht wäre und an Gegebenheiten hinge, die die Molkereien oder die Politik zu verantworten hätten, heißt es beim Verband der Bayerischen Privaten Milchwirtschaft (VBPM).

Festzuhalten ist, dass die Jahre 2013 und 2014 Rekordjahre für Milchmenge und Milchpreis waren. Durch unkalkulierbare Einbrüche auf der Absatzseite - ausgelöst vor allem durch das Russlandembargo und die chinesische Kaufzurückhaltung - geriet der Preis unter Druck.

Milchverbrauch steigt schneller als Produktion

Prognosen zu einer zukünftig stark steigenden Milchmenge und deswegen sinkende Preise seien für eine Beruhigung des Marktes nicht förderlich, so der VBPM. Fakt ist, dass die Milchmenge nach dem Quotenende in der EU nur moderat um 0,2% über dem Vorjahreszeitraum liegt und nach Einschätzung von Experten bereits den Höhepunkt erreicht hat. Nach wie vor sind sämtliche mittel- und langfristige Erwartungen beispielsweise der OECD positiv und der Verbrauch steigt schneller als die Produktion.

Problematisch sei die Situation für alle am Markt Beteiligten, beobachtet der Verband. Die ungebremste Volatilität des Milchmarktes erschwere unternehmerische Entscheidungen, wie ein liberalisierter Milchmarkt sie fordert. "Viele Einflüsse wirken auf den Milchmarkt und erschweren Einschätzungen. Auch besteht regional nicht die Möglichkeit, einen globalen Markt zu beeinflussen. Die Auswirkungen der dortigen Marktentwicklung treffen jedoch jeden Einzelnen", sagte die Geschäftsführerin des VBPM, Susanne Nüssel.

Alle Vorschläge und Ideen, wie der Milchmarkt stabilisiert werden kann, seien genau zu prüfen und sachlich zu diskutieren, empfiehlt Nüssel. "Verbandspolitische Interessen müssen hier zurückstehen. Immerhin geht es um die Existenz der Milcherzeugungs- und Verarbeitungsbetriebe". Auch müssten sich die Forderungen der Branche an den tatsächlichen Verhältnissen orientieren.

Der VBPM vertritt die Interessen von knapp 40 Mitgliedern. Im Freistaat verarbeitenen die privaten Molkereien mehr als 50 Prozent der über 8 Mio. t in Bayern erzeugten Milch.(HH)
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