az-Länderserie Polen

Qualität aus Polen besteht im Wettbewerb


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So spielt insbesondere der Export von Agrargütern in der polnischen Wirtschaft eine zentrale Rolle. Hilfreich ist der Abfluss über die Ostseehäfen. Damit wird Deutschlands Nachbar zunehmend auch zu einem Konkurrenten. Dennoch hat die polnische Landwirtschaft noch erheblichen Nachholbedarf. Die Agrarstruktur ist zersplittert, eine Vielzahl an Betrieben ist nicht modern aufgestellt und die Flächenausstattung ist zu gering. Jetzt will die neue nationalkonservative Regierung auch noch den Handel mit Boden beschränken. Polen steht noch vor einigen Herausforderungen, um die heimische Agrarstruktur zu modernisieren.

Das Land, dessen Ackerfläche die gleiche Größenordnung umfasst wie in Deutschland, hat in vielen Bereichen der Agrar- und Ernährungsindustrie in den vergangenen Jahren aufgeholt und kann sich sowohl im europäischen als auch internationalen Wettbewerb behaupten. Und dies nicht zuletzt auch wegen kräftiger Finanzspritzen aus Brüssel, die für einen nachhaltigen Modernisierungsschub gesorgt haben.

Polnische Agrarprodukte entsprechen mittlerweile durchweg den europäischen und internationalen Qualitätsstandards. So haben die Agrarausfuhren Polens 2015 etwa 25 Mrd.€ erreicht und sich damit seit 2007 mehr als verdoppelt. Wichtigster Handelspartner sind die EU-Staaten, allen voran Deutschland.

Aber dennoch hat Polen nach wie vor Modernisierungsbedarf. Denn die Landwirtschaft ist sehr klein strukturiert. Es gibt noch mehr als 1,5 Millionen landwirtschaftliche Betriebe mit einer mittleren Flächenausstattung von lediglich 10 ha.

vorÜber den Ostseehafen Gdynia ist 2015 eine Rekordmenge von 3,7 Mio. t Getreide verschifft worden.
-- , Foto: Hafengesellschaft Gdynia
vorÜber den Ostseehafen Gdynia ist 2015 eine Rekordmenge von 3,7 Mio. t Getreide verschifft worden.
Auf Wachstumskurs ist die hoch konzentrierte und spezialisierte Geflügelhaltung des Landes. Von den rund 65000 Hähnchenerzeugern halten zwar nur rund 3Prozent mehr als 1000 Tiere, stellen aber mehr als 90 Prozent der Produktion. Binnen zehn Jahren hat Polen die Erzeugung von Hähnchenfleisch nahezu verdoppelt. Das Land ist damit auf Platz1 der Geflügelerzeuger in Europa aufgestiegen und hat Frankreich auf Platz2 verdrängt. So stammt das meiste europäische Hähnchenfleisch aus Polen. Auch im Land selbst wird das preiswerte Geflügelfleisch immer beliebter. Der Export in die EU und hier vor allem nach Deutschland spielt bei allen Geflügelfleischarten eine große Rolle. Aber auch in Drittländer wie Südafrika oder Saudi-Arabien hat sich Polen Absatzmärkte erschlossen. Ausgebaut wurde außerdem die Milchproduktion mit Finanzhilfen aus Brüssel. Damit stehen die polnischen Milchbauern angesichts niedriger Milchpreise und einem Überangebot nach dem Fall der Milchquote vor denselben Herausforderungen wie ihre europäischen Kollegen.

Die Produktion von Schweinefleisch hingegen erholt sich in Polen nur langsam wieder, nachdem sie zwischen 2009 und 2013 um fast 40 Prozent geschrumpft war.

Auch in puncto Getreide macht sich das Land immer weiter fit für den Weltmarkt. Für den internationalen Handel ist vor allem der Abfluss über die Ostsee von strategischer Bedeutung. So wird der Getreideumschlag in den beiden Häfen an der Danziger Bucht, Gdynia und Danzig, kontinuierlich ausgebaut. Das Gleiche gilt für den Hafen Stettin nahe der deutschen Grenze. Als Exportland von Weizen gewinnt Deutschlands Nachbar zunehmend an Bedeutung, wird so aber auch zum Konkurrenten. Denn die Absatzmärkte sind identisch. (AW/db)

Mit herzlichem Dank für die Unterstützung an KS Agrar

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