Knapp zwei Millionen Tonnen trockener Klärschlamm werden in Deutschland allein aus kommunalen Kläranlagen jährlich entsorgt. Obwohl das Abfallprodukt viel Phosphat enthält, ist es als Dünger unbrauchbar - hygienisch bedenklich und mit Schwermetallen belastet.

Die Agrartechnologin Andrea Kruse von der Universität Hohenheim hat nun eine Methode entwickelt, um aus Klärschlamm das Produkt Struvit zu gewinnen, das als Dünger eingesetzt werden kann. Durch die Erhitzung über 200 Grad wird aus dem Klärschlamm Biokohle. Anschließend versetzt die Agrartechnologin die Kohlebrocken mit Säure, kocht die Mischung, trennt die Kohle ab, fügt Magnesiumsalz hinzu und trennt das Wasser ab. Es entsteht ein weißes, leicht körniges Pulver: Magnesiumammoniumphosphat, Struvit genannt. Die Schwermetalle bleiben in der Kohle zurück und kommen so nicht auf das Feld.

Uranbelasteter Dünger aus China, Marokko und den USA

Die Landwirtschaft ist dringend auf neue Phosphorquellen angewiesen: Die großen Phosphat-Minen sind zunehmend erschöpft oder belastet. „Die Mineralwerke in China, den USA und Marokko sind mittlerweile so ausgeschöpft, dass immer tiefer gebohrt werden muss. Je tiefer aber gebohrt wird, desto mehr Schwermetalle wie Uran sind im Phosphat angereichert, ehe es als Dünger auf die Felder gestreut wird. Wir brauchen andere Phosphat-Quellen - wie den Klärschlamm“, sagt Kruse.

Das Projekt ist eine Kooperation mit dem Schweizer Biotechnologie-Unternehmen AVA-CO2. Zurzeit werden in ihrem Labor in der Universität Hohenheim noch kleine Dünger-Mengen hergestellt, um das Verfahren zu optimieren. Später soll auch eine Produktion in großen Mengen möglich sein. (az)
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