Report Agrarmärkte 2017/18

Raps bleibt chronisch knapp

Einen Schutzschirm gegen ungünstiges Wetter hätten sich Landwirte zur Rapsblüte gewünscht.
-- , Foto: Ufop
Einen Schutzschirm gegen ungünstiges Wetter hätten sich Landwirte zur Rapsblüte gewünscht.

Im Kontrast zum überreichlich versorgten Sojamarkt ist das Rapsangebot dünn. Nach der sehr schwachen Erzeugung des Vorjahres zeichnet sich keine wesentliche Erholung ab. Die Analysten von Oil World rechnen 2017 mit einer EU-Rapsernte von 21,0 Mio.t. Das wären zwar 3Prozent mehr als im Vorjahr, aber 2Prozent weniger als im mehrjährigen Durchschnitt. Ein wesentlicher Grund ist die kleinere EU-Anbaufläche. Vor allem in Frankreich war es im Herbst zur Aussaat häufig zu trocken. Die Hektarerträge werden nach den bisherigen Erwartungen im EU-Durchschnitt allenfalls mittelmäßig ausfallen.

Erträge in Deutschland weit unter dem Durchschnitt

In Deutschland zeichnet sich dagegen ein deutlich unterdurchschnittliches Ergebnis ab. Die Agrarmeteorologen des EU-Prognosedienstes MARS haben in ihrer Mai-Schätzung die deutschen Rapserträge auf nur noch 3,5 t/ha gesetzt. Das wäre zwar etwas mehr als im schwachen Vorjahr, aber 10 Prozent weniger als der Fünfjahresdurchschnitt. Ähnlich pessimistisch ist der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) und kalkuliert eine Rapsernte von nur 4,7 Mio.t. Damit steht fest: Raps bleibt chronisch knapp.

Offen bleibt, wie umfangreich die EU-Ölmühlen 2017/18 am Weltmarkt einkaufen können. In der laufenden Saison beziffert Oil World die EU-Importe auf 4,1 Mio.t Raps, das wäre so viel wie noch nie. Zugute gekommen ist den Europäern 2016/17, dass die beiden großen Exportländer Kanada und Australien eine Rekordrapsernte eingefahren haben. Auch zur Saison 2017/18 setzen die kanadischen Farmer auf Raps. Sie beabsichtigen, die Anbaufläche um 10 Prozent auszudehnen. Doch aktuell stehen in den Prärieprovinzen viele Erzeuger vor der Herausforderung, auf völlig durchnässten Feldern die Sommerrapsaussaat überhaupt abschließen zu können. Jeder Tag Verzögerung verkürzt die Vegetationszeit und senkt die Erträge.

Deswegen ist weder ausgemacht, dass alle Anbauabsichten verwirklicht werden, noch dass die kanadische Ernte steigt. Außerdem sind in Kanada die Vorräte auf ein absolutes Minimum geschrumpft, sodass der Anschluss an die neue Ernte eng wird. Und wie sich in Australien im Winter das Rapsangebot entwickeln wird, steht noch völlig in den Sternen. Erste Hinweise gibt die offizielle Schätzung zu den Anbauflächen Mitte Juni.

Matif notiert niedriger als zu Jahresbeginn

Die Rapspreise bewegen sich ungeachtet der knappen Versorgung im Sog der fallenden Sojanotierungen bergab. Nachdem die Matif im Januar 2017 noch bis zu 430 €/t notierte, sind es jetzt weniger als 370 €/t. Die Agraranalysten der Commerzbank machen auch kaum Hoffnung auf einen größeren Preisanstieg. Sie haben kürzlich für das 4. Quartal 2017 einen Rapspreis in Paris von 390 €/t prognostiziert. (db)
stats