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Günstige Standortbedingungen und hohe Flächenerträge sind besonders in den nördlichsten Bundesländern anzutreffen

9. Juni 2001; Prof. Rainer Doluschitz, Universität Hohenheim, Stuttgart

Die Bedeutung des Rapsanbaus hat in Deutschland in den vergangenen vier Jahrzehnten deutlich zugenommen. Zurückzuführen ist dies auf züchterische Fortschritte besonders bei der Produktqualität, auf eine gegenüber den Getreidearten günstige Preisentwicklung für Raps sowie auf eine relative Bevorzugung von Raps bei der Gewährung von Flächenprämien.

Die Rapsanbaufläche stieg von 32000 ha im Jahr 1960 auf 1,08Mio.ha in 2000. Der Ackerflächenanteil, den Raps heute einnimmt, liegt bei etwas über 9 Prozent gegenüber 0,4 Prozent im Jahr 1960. Im genannten Zeitraum stieg der durchschnittliche Hektarertrag um 54 Prozent. Damit liegt Raps bei den Ertragssteigerungsraten deutlich hinter den anderen wichtigen Ackerkulturen zurück. Erklären lässt sich dies teilweise damit, dass die Rapszüchtung in den vergangenen Jahren sehr stark auf die Qualitätszüchtung (erucasäure- und glucosinolatarme, 00-Rapssorten) und weniger auf den Massenertrag konzentriert wurde. Als Folge der Flächenausdehnung und der gestiegenen Durchschnittserträge stieg die jährliche Erntemenge auf heute insgesamt 3,6Mio.t an.

Der Rapsanbau weist in Deutschland deutliche regionale Unterschiede auf. Den größten Anbauflächenanteil nimmt der Raps mit rund 17,4 Prozent der Ackerfläche (AF) in Mecklenburg-Vorpommern ein. Ebenfalls überdurchschnittlich hohe Anbauflächenanteile gibt es in Schleswig-Holstein (15,3 Prozent der AF) und in Thüringen (12,9 Prozent der AF). Nach Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern liegen die Ackerflächenanteile in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen mit jeweils 4,2 Prozent am niedrigsten.

Grund für diesen dominierenden Schwerpunkt in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sind die dortigen günstigen Standortbedingungen und die damit verbundenen hohen Rapserträge. Sie liegen in diesen Schwerpunktregionen mit durchschnittlich 37 dt/ha deutlich über dem Ertragsniveau der anderen Bundesländer.

Deutschland hat mit etwa 9 Prozent Rapsanteil an der Ackerfläche auch innerhalb der Europäischen Union den höchsten relativen Anbauumfang. Das Vereinigte Königreich weist mit etwa 8 Prozent den zweithöchsten Anteil auf, was ebenfalls auf günstige Standortbedingungen zurückzuführen ist. Ferner haben Frankreich und Dänemark mit 6,2 oder 6,4 Prozent und Österreich mit etwa 4,5 Prozent ebenso eine relativ große Bedeutung für den Rapsanbau in der EU.

Niedriger Preisausgleich

Die Wirtschaftlichkeit hängt maßgeblich von der Preisentwicklung ab. Der Deckungsbeitrag von Raps ist auf Grund der in den vergangenen Jahren gesunkenen Preise mittlerweile stark abhängig von den Flächenprämien. Da jedoch diese Flächenprämien an 2002 an diejenigen von Getreide angeglichen werden, wird damit auch die wirtschaftliche Vorzüglichkeit von Raps gegenüber den beiden Wettbewerbskulturen verschlechtert, wenn nicht die Rapspreise in gleicher Relation steigen wie die Flächenprämien fallen, wovon zumindest kurzfristig nicht auszugehen ist. Um die Prämienminderung voll auszugleichen, müsste bei Annahme eine Preissteigerung von etwa 2,50 DM/dt Raps erfolgen. Die Wirtschaftlichkeit des Rapsanbaues hängt neben dem Produktpreis und dem Preisausgleich sehr stark von der Ertragsleistung und auf der Kostenseite insbesondere von den Mineraldüngerpreisen ab.

Unter Einhaltung der Fruchtfolgerestriktionen ließen die bisherigen Preisrelationen die Empfehlung zu, Raps bei hohem erwartbarem Ertragsniveau in die Fruchtfolge aufzunehmen. Wie sich der Anbau von Raps künftig entwickeln wird, ist bei der gegebenen Flächenprämienentwicklung (Reduktion) bis zum Jahr 2006 stärker denn je von der Preisentwicklung abhängig.

Beurteilt man den Anbau von Raps hinsichtlich seiner Wirkungen auf Bodenerosion, Bodenstruktur, Bodendruckbelastung, Humusbilanz und das Edaphon sowie hinsichtlich seiner Wirkungen in der Fruchtfolge und darüber hinaus die Wirkungen, die eine praxisübliche Düngung und der übliche Pflanzenschutz zu Raps auf die Umwelt haben, so lässt sich feststellen, dass Raps gegenüber zahlreichen anderen verbreiteten Kulturarten bezüglich dieser Kriterien positiv einzustufen ist.

Das Erosionsrisiko beim Rapsanbau kann als sehr gering bezeichnet werden. Durch seine lange Vegetationszeit und seine frühe und kräftige Bestockung bietet Raps sowohl für Wind-, als auch für Wassererosion kaum Angriffsmöglichkeiten. Auch nach der relativ frühen Ernte des Rapses sind die Felder durch größere Mengen an Wurzel-, Stroh- und Stoppelresten und durch das schnelle Nachkeimen des Ausfallrapses, der rasch wieder den Boden bedeckt, nicht erosionsgefährdet.

Bei ordnungsgemäßer Bewirtschaftung wird der Raps ausreichend mit Kalk versorgt. Dies stabilisiert das Krümelgefüge und damit die Struktur des Bodens. Darüber hinaus wird beim Rapsanbau die Infiltrationsrate des Regenwassers verbessert, da der Raps den Boden tief durchwurzelt und nach der Ernte wasserspeichernde Kapillargänge für die Wasseraufnahme hinterlässt. Die Bodenbearbeitung zu Raps wird normalerweise zu Zeiten durchgeführt, in denen der Boden trocken und somit gut tragfähig ist. Dies hat den Vorteil, dass es beim Anbau von Raps kaum zu Bodenstrukturschäden durch Einsatz eventuell auch schwerer Maschinen kommen kann.

Bezüglich der Beeinflussung der Humusbilanz gilt Raps im Allgemeinen als neutral. Das bedeutet, dass der durch die Bodenbearbeitung verursachte Humusabbau durch die abgestorbenen Pflanzen- und Wurzelreste wieder kompensiert wird. Die gute Durchwurzelung des Bodens beim Anbau von Raps verbessert die Lebensbedingungen von Bodenflora und Bodenfauna. Allerdings kann es bei Verwendung hoher Dosen von Pflanzenbehandlungsmitteln, vor allem der beim Rapsanbau häufig in überdurchschnittlicher Dosierung eingesetzten Insektizide, zur Beeinträchtigung des Edaphons kommen.

Blattfrucht in der Fruchtfolge

Im Zusammenhang mit der Fruchtfolgegestaltung trägt Raps in vielen Betrieben dazu bei, den Trend zu einfachen Fruchtfolgen zu bremsen. Insbesondere in Ackerbaubetrieben, in denen keine Zuckerrüben angebaut werden, ist Raps oftmals die einzige Blattfrucht in der Fruchtfolge. Bei sachgerechter Anbautechnik, insbesondere bei Einhaltung entzugsorientierter Düngungsstrategien, entstehen beim Rapsanbau relativ ausgeglichene Nährstoffbilanzen, so dass auch seitens der Düngung nicht von zusätzlich die Umwelt belastenden Folgen ausgegangen werden muss. Umweltrelevante Probleme kann es beim Rapsanbau allenfalls dadurch geben, dass im Vergleich mit anderen Kulturarten ein hoher Einsatz an Insektiziden zur Gewährleistung der Ertragssicherheit notwendig ist. Zusammenfassend ist festzustellen, dass es sich bei Raps in Deutschland um eine Kulturart handelt, die eine überdurchschnittliche Anbauausdehnung erfahren hat, relativ ausgeprägte regionale Anbauschwerpunkte aufweist und die bezüglich der Wirtschaftlichkeit auf geeigneten Standorten derzeit vielen konkurrierenden Kulturen in den Fruchtfolgen überlegen ist. Auch unter ökologischen Gesichtspunkten ist Raps gegenüber zahlreichen bedeutenden anderen Ackerkulturarten als positiv einzustufen.

Vergleichsweise große Unsicherheit besteht bezüglich der weiteren Entwicklung des Rapsanbaus aus folgenden Gründen: o Im Zuge der Qualitätsverbesserung konzentrierte sich die Züchtung weit weniger als bei anderen Kulturarten auf die Steigerung der Massenerträge; ob auch für die Zukunft etwa im Vergleich zu Getreide überdurchschnittliche Ertragssteigerungen zu erwarten sind, ist somit schwer zu prognostizieren.
o Die anstehende Änderung der Flächenprämien zum Preisausgleich bringt Bewegung in die Wirtschaftlichkeitsüberlegungen des Rapsanbaus im Vergleich mit Konkurrenzkulturen.

Raps ist eine der ersten Kulturarten, die maßgeblich an Bedeutung gewinnt, wenn etwa bei der Energieversorgung auf nachwachsende Rohstoffe aus der Landwirtschaft zurückgegriffen wird. Die Produktion von 00-Rapssorten wäre dann nicht mehr notwendig, was bedeuten würde, dass zukünftig von deutlich höheren Ertragssteigerungen auszugehen wäre. Die Technik ist bereits derzeit so weit fortgeschritten, dass Rapsöl bei vertretbarem technischen Aufwand als Substitut für Diesel-Kraftstoff vergleichsweise problemlos eingesetzt werden kann.

Eine offene und auch kaum zu beantwortende Frage ist in diesem Zusammenhang, wie sich die Angebots- und Preissituation beim Mineralöl und die Stützungspolitik für umweltschonende, zur Verwendung als nachwachsende Rohstoffe geeignete Produktionsrichtungen zukünftig entwickelt.
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