Das Kaliwerk in Unterbreizbach.
-- , Foto: K+S Aktiengesellschaft
Das Kaliwerk in Unterbreizbach.

Die Ermittler kamen gegen 8 Uhr und haben bis zum frühen Abend den Hauptsitz und drei weitere Bürogebäude der K+S Aktiengesellschaft sowie zwei Privatwohnungen durchforstet: Die Staatsanwaltschaft Meiningen und das Landeskriminalamt Thüringen (LKA) ermitteln gegen K+S wegen des Verdachts des „unerlaubten Umgangs mit Abfällen“, meldete das LKA.  „Die Beamten haben Akten und elektronische Daten vorläufig amtlich in Verwahrung genommen“, sagte Tina Büchner, Pressesprecherin des LKA zu agrarzeitung.de.

Die Razzia ist damit aber noch nicht beendet: Morgen gehen die Hausdurchsuchungen laut Büchner weiter.

Der Düngemittelhersteller soll im Zeitraum von 1999 bis 2007 insgesamt 9,5 Millionen Kubikmeter Kaliabwässer aus dem Werk Unterbreizbach in den sogenannten Plattendolomit der Gerstunger Mulde versenkt haben. Dabei soll es sich vor allem um Salzlauge gehandelt haben.

Bis zu zehn Jahre Haft möglich

Im Visier der Ermittler stehen 15 Verantwortliche der K+S Aktiengesellschaft und deren Tochtergesellschaften in Kassel, Unterbreizbach und Philippsthal, sowie zwei Vertreter des Landesbergamtes aus Thüringen, sagte Büchner. Insidern zufolge sind nicht nur Mitglieder von Fachabteilungen betroffen, die Ermittlungen erstrecken sich über alle Hierarchieebenen. Den Verdächtigen droht laut Gesetz eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren. Ob Bußgelder erteilt würden oder nicht, sei Sache des Gerichts, sagte die Sprecherin.

Auch gegen zwei Vertreter des Landesbergamtes aus Thüringen werde ermittelt, sagte Büchner. Die Behörde hatte die wasserrechtliche Erlaubnis für die Versenkung der Kaliabwässer erteilt, obwohl die geologische Beschaffenheit der Gerstunger Mulde nicht dafür geeignet ist. Man habe von vornherein damit rechnen müssen, dass die versenkten Mengen an Salzlauge nicht wie angenommen in der Speicherformation „Plattendolomit“ verbleiben würden, sondern sich unkontrolliert ausbreiten würden, so die Begründung des LKA.

K+S kämpft derzeit auch noch an anderen Fronten

Der Kali- und Salzkonzern wolle vollumfänglich kooperieren, sagte Michael Wudonig, Pressesprecher bei K+S. „Die Ermittler haben überall dort Zugang bekommen, wo sie hinwollten“, ergänzte er. Mehr Details könne er jedoch aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht nennen.

Die Ermittlungen kommen für K+S zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Erst heute sickerte durch, dass der kanadische Düngemittelhersteller Potash eine Übernahme der Kasseler unbedingt angehen will, zur Not auch gegen deren Willen. K+S ist mit mehr als 4.000 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber im Grenzgebiet von Hessen und Thüringen.

Ins Rollen gebracht hatte die Ermittlungen die Gemeinde Gerstungen mit einer Strafanzeige im Jahr 2008. Die Ermittler aus Thüringen und die Staatsanwaltschaft Meiningen werden von Experten des Bundeskriminalamtes und externen Gutachtern unterstützt.

Die Ermittlungen kommen für K+S zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Erst heute sickerte durch, dass der kanadische Düngemittelhersteller Potash eine Übernahme der Kasseler unbedingt angehen will, zur Not auch gegen deren Willen. (mas)
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