Horst Hermannsen zum Niedergang von Allgäuland

Die skandinavische Molkereigenossenschaft Arla Foods möchte die in Schieflage geratene Allgäuland Käsereien GmbH übernehmen. Die Zustimmung der Milcherzeuger in den sechs Allgäuland-Genossenschaften ist zwar nicht sicher. Es gibt zu diesem Schritt jedoch keine andere Alternative als den Weg zum Insolvenzgericht. Deshalb ist es unverantwortlich, wie von Funktionären der Milcherzeugergemeinschaft Stimmung gegen Arla gemacht wird. Sie haben erreicht, dass auf der Generalversammlung der Allgäuer Bergbauern-Milch eG keine Mehrheit für die Übernahme zustande kam. Wer das Engagement von Arla in Süddeutschland mit dem Begriff „Verdrängungswettbewerb“ beschreibt, zeigt, dass er unter Realitätsverlust leidet. Eine Wiederholung der Generalversammlung dürfte es am 12. September geben, wenn die Gläubiger mitspielen. Die Pleite von Allgäuland offenbart einmal mehr die Schwächen genossenschaftlicher Unternehmen in der süddeutschen Landwirtschaft: eine Geschäftsführung, für die Kostenmanagement ein unbekannter Begriff war, sowie ein wenig professioneller Aufsichtsrat, dessen Verantwortungsradius bis zum Tellerrand der Molkereiauszahlungspreise reichte. Und schließlich ein genossenschaftlicher Prüfungsverband, der nicht erkannte, wo die „Leichen“ in dem verwirrenden Unternehmenskonglomerat versteckt wurden.

Die Suche nach Schuldigen außerhalb der eigenen Reihen ist symptomatisch. Da sind vor allem Banken, die sich erdreisteten, für 70 Mio. € Verbindlichkeiten auch noch Zinsen haben zu wollen. Andererseits wirkte die Kreditvergabe der genossenschaftlichen Banken an Allgäuland dilettantisch. Spät merkten die Kreditinstitute, dass es bei dieser Art von Geschäftsführung keine Sicherheiten geben kann. Deshalb ist der Forderungsverzicht der Banken logisch. Wie im Vieh- und Fleischsektor wird hoffentlich auch bei Allgäuland ein erfolgreiches Unternehmen aus dem EU-Ausland zeigen, wie in modernen Wachstumsmärkten zu agieren ist. Die unsägliche parteipolitische oder familiäre Pöstchenschieberei, die bei den süddeutschen Genossenschaften Tradition hat, gibt es bei Arla nicht. Dem 6,5 Mrd. € umsatzschweren Molkereigiganten ist daran gelegen, Geld zu verdienen. Für Ideologie und Lokalpatriotismus ist nur wenig Platz, wenn langfristig 70 Prozent der Allgäuland-Produkte in den Export gehen sollen. Andererseits gehören erfolgreiche Marken und Begriffe durchaus zur Absatzstrategie. Deshalb passt das Bergbauern-Image in das Konzept von Arla. Geplant ist, dass nach einer Übertragung der durch Misswirtschaft wertlos gewordenen Geschäftsanteile die bisherigen Teilhabergenossenschaften künftig nur noch Liefergenossenschaften ohne Einfluss sind und weder Anteile an Allgäuland noch an Arla halten. Das schafft die Grundlage für Professionalität.

Der skandinavische Konzern stellt den Milcherzeugern „überdurchschnittliche Erzeugerpreise“ in Aussicht. Das hört sich gut an, doch wird Arla nicht die Fehler der früheren Allgäuland-Geschäftsführung wiederholen. Die Milchbauern in der Region könnten die positiven Seiten der Marktwirtschaft verstehen lernen. Der Wettbewerb um die Rohmilch beflügelt bereits die Preisphantasien der Molkereien.
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