Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) spricht sich für einen geringeren Konsum von Fleisch und Milch in Deutschland aus. Der Bundesregierung schlägt er steuerliche Änderungen vor. Der Lebensmittelkonsum habe über Produktion, Verarbeitung und Transport erheblichen Einfluss auf Umwelt und Natur, heißt es im Umweltgutachten 2012, das die Wissenschaftler heute Bundesumweltminister Peter Altmaier überreicht haben. Dies gelte vor allem für den Verzehr von Fleisch, aber auch für den von Milchprodukten.

Der hohe Konsum tierischer Produkte in Deutschland, welche je "Kalorie" deutlich mehr Fläche als pflanzliche Produkte beanspruche, sei im Hinblick auf die wachsende Weltbevölkerung und die gravierenden Umweltfolgen einer intensiven Landwirtschaft „nicht global verallgemeinerungsfähig", so die Umweltexperten. Ihrer Ansicht nach ist es wünschenswert, dass er reduziert wird. Dazu empfiehlt das Gremium der Bundesregierung, den reduzierten Mehrwertsteuersatz auf tierische Produkte abzuschaffen. 

Ferner sollten nach Einschätzung der Wissenschaftler Produkte aus extensiver Weidehaltung oder aus Fütterung mit extensiv produziertem Futter bevorzugt werden. Eine Maßnahme zur Förderung des Konsums von Produkten, die auf naturschutzgerecht bewirtschafteten Flächen hergestellt werden, besteht ihrer Ansicht nach darin, zusätzlich zu dem bestehenden EU-Öko-Siegel ein "Naturschutz-Siegel" einzuführen. Dieses soll Produkte kennzeichnen, die auf Flächen hergestellt wurden, auf denen Agrarumweltmaßnahmen durchgeführt werden oder die unter Vertragsnaturschutz stehen.

Vorrang hat laut dem Gutachten eine Verringerung der Lebensmittelverluste. Eine Reduktion um mindestens 50 Prozent bis 2025 sollte als politisches Ziel festgeschrieben werden, fordert das Gremium. Um dies zu erreichen, sollten unter anderem die Vorgaben für Haltbarkeitsdaten auf Verpackungen überarbeitet werden. Der SRU besteht aus sieben Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen und berät die Bundesregierung seit 1972 in Fragen des Umweltschutzes. (sch)

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