Fleischwirtschaft

Regionalität kostet "richtig Knete"


Die  deutsche Fleischwirtschaft leidet massiv unter den Sanktionen gegen Russland, betonte Helfried Giesen, Vorstandsprecher der Westfleisch eG, Münster, auf einer Diskussionsrunde unter dem Thema „Zukunft Landwirtschaft – global denken, regional Handeln“ der Agravis Raiffeisen AG in Hamburg.

Schon vor dem Embargo habe Russland im Januar 2014 wegen der afrikanischen Schweinepest die Importe von Schweinefleisch gestoppt. Durch das Embargo im August 2014 sei dann auch der Export von Rindfleisch nach Russland zum Erliegen gekommen. Russland sei vorher der spannendste Absatzmarkt für bestimmte fettehaltige Teilstücke gewesen. Die Westfleisch sei erheblich betroffen, da sie etwa 50 Prozent des Schweinefleischs im Export absetze.

Die Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie (BVE) bewertet den russischen Markt hingegen mittlerweile als nicht mehr so wichtig. Viel wichtiger seien Amerika und Asien. Es sei nachrangig, ob der russische Importstopp für Lebensmittel aus der EU ab August aufgehoben werde oder weiterbestehe.

Regionalitäten-Aktionen nicht wirtschaftlich

Westfleisch-Chef Giesen kritisierte auch die häufigen "Regionalitäten-Aktionen" des Handels. Regionale Produkte werden von den Verbrauchern und vom Lebensmittelhandel oft gefordert. Doch diese koste die Fleischwirtschaft "richtig Knete", das Fleisch müsse nämlich ausschließlich nach Herkunft und damit nicht nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten sortiert werden.  Sehr kritisch äußerte sich der Westfleisch-Chef über den von der EU geplanten Herkunftsnachweis für verarbeitete Produkte. Dies würde das Kilo Fleisch um 50 bis 80 Cent verteuern, meinte er. (St)
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