Symptome: Junge Rapswurzeln zeigen Veränderungen
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Symptome: Junge Rapswurzeln zeigen Veränderungen

Im Rapsanbau hat sich eine Tendenz entwickelt, die den Anbau langfristig gefährden könnte: Immer mehr Landwirte bevorzugen den Einsatz kohlhernieresistenter Sorten. Sie wollen damit auf Verdachtsflächen ihren Ertrag absichern. Aus biologischer Sicht kann dies jedoch dazu führen, dass Kohlhernierassen vermehrt selektiert werden, gegen welche die Resistenz wirkungslos ist.

Denn ähnlich wie bei der Resistenzentwicklung gegen Pflanzenschutzmittel liegt bei der rassespezifischen Kohlhernieresistenz ein Gen vor, das die Resistenz der Sorte gegen Kohlhernie ausprägt. Die Wahrscheinlichkeit, dass andere Kohlhernierassen diese Resistenz durchbrechen, wird umso größer, je häufiger kohlhernieresistenter Raps angebaut wird. In Nordostdeutschland hat das Julius-Kühn-Institut (JKI) bereits mehrere Kohlhernie-Pathotypen gefunden, die resistente Sorten infizieren konnten. Die Infektion führte zu massiven Ertragseinbußen.

Um einen erfolgreichen Rapsanbau mit den gebräuchlichen Hybridsorten zu gewährleisten, kann auf Flächen mit leichtem Befall eine Reihe ackerbaulicher Maßnahmen empfohlen werden, wie zum Beispiel eine spätere Aussaat. Die Infektion des Rapses wird durch die Verschiebung der Aussaatzeiten nach hinten erheblich vermindert. Sinken die Bodentemperaturen unter 15°C, nehmen die Infektionen mit Kohlhernie überproportional ab.

Zur richtigen Ackerhygiene zählt auch der rechtzeitige Sturz der Rapsstoppel vor dem 2-Blattstadium im Herbst zur Beseitigung des Ausfallrapses. Zudem sind Unkräuter konsequent zu bekämpfen, die als Wirtspflanzen der Kohlhernie gelten: Hirtentäschel, Hederich, Ackersenf, Durchwuchsraps in der Getreidestoppel und Rauken. Ebenfalls sollten Klatschmohn und Knötericharten entfernt werden. Beides sind Wirtspflanzen, die befallen werden, aber ohne Schadsymptome bleiben. Außerdem müssen Befallsflächen grundsätzlich zuletzt bearbeitet und bestellt werden, damit ein Verschleppen des Erregers auf andere Rapsschläge verhindert wird.

Ein weiterer Aspekt, um das Risiko einer Kohlhernieinfektion zu minimieren, ist die kurzfristige Anhebung des pH-Wertes durch eine zusätzliche Aufkalkung der Flächen mit 2t eines hoch reaktiven kohlensauren Kalkes. Auf stark befallenen Flächen helfen jedoch nur noch kostspieligere Maßnahmen: Erweiterung der Fruchtfolge, Drainierung zur Verhinderung von Staunässe, Einsatz von Kalkstickstoff und der Anbau kohlhernieresistenter Sorten.


Dr. Michael Neugebauer,
BSL Betriebsmittel Service Logistik GmbH & Co KG, Kiel
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