Biomarkt

Revision der Öko-Verordnung bringt Veränderungen

Die Reform der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) hat auch Auswirkungen auf den Ökolandbau. Es sei möglich, dass die Ökoprämie künftig gestrichen wird, wenn 30 Prozent der Direktzahlungen aus der 1. Säule der GAP mit dem Greening – also der Vorhaltung von ökologischen Vorrangflächen auf zunächst 5 Prozent der Anbaufläche eines jedes Betriebes - verknüpft werden, sagte Dr. Jürn Sanders vom Thünen-Institut (TI) in Braunschweig am Mittwoch auf der Agritechnica in Hannover. Sollte die Ökoprämie gestrichen werden, würde das die Einkünfte der Ökolandwirte reduzieren, führte der TI-Experte weiter aus. 

Revision der EU-Öko-Verordnung in Arbeit


Andere politische Weichenstellungen mit möglicherweise weitreichenden Konsequenzen für den Ökolandbau sieht Sanders in der auf EU-Ebene geplanten Revision der Öko-Verordnung. Schwachstellen würde Brüssel in der Effizienz der Kontrollen der Betriebe sehen, bei möglichen Verunreinigungen mit gentechnisch veränderten Organismen in den Bereichen Saatgut oder Futtermittel sowie in dem Vertrauen der Verbraucher in den Ökobereich.

Ende November, so Sanders, soll auf EU-Ebene die Analyse der Schwachstellen der Öko-Verordnung sowie die Folgenabschätzung möglicher Änderungen abgeschlossen sein. Ein Gesetzesvorschlag sei für März 2014 vorgesehen.

Vorschläge zur Anpassung der Verordnung reichten von einer moderaten Verbesserung des Status Quo etwa durch präzisere Definitionen zum Beispiel darüber, was „regionale Futtermittel“ seien bis hin zu einer prinzipientreuen Ausrichtung der Ökoverordnung. Dazwischen liege eine marktorientierte Weiterentwicklung des Regelwerks. 

Die marktorientierte Weiterentwicklung der Verordnung würde nach Darstellung Sanders Ausnahmegenehmigungen beispielsweise zur Verwendung von konventionellem Saatgut und konventionellen Futtermitteln zur Regel machen.

Die prinzipienorientiere Reformvariante würde diese Ausnahmeregeln dagegen weiter begrenzen, keine Teilumstellung von Betrieben mehr zulassen und die jährlichen Kontrollen von Ökobetrieben durch gegebenenfalls auch häufigere, risikobasierte Überprüfungen ersetzen. Sie würde zunächst zu einer Marktstagnation führen, analysierte Sanders, längerfristig aber sähen EU-Experten ein steigendes Marktpotenzial.

Fleischersatz aus Soja gefragt


Jörg Große-Lochtmann von der Naturland Marktgesellschaft sieht für den Ökolandbau Verbraucher getriebene Trends zu mehr Regionalität statt Globalität. „Bio ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das bedeutet, dass einige Konsumenten nach der Devise ‚Hauptsache Öko, egal von wo die Ware stammt‘ kaufen.

Andere wiederum wollen sich davon abgrenzen und vorrangig regionale Bioprodukte kaufen“, sagte er dazu. Auch das Thema Tierwohl würden Ökoverbände künftig stärker für sich nutzen wollen. Hinzu komme, dass Fleischersatzprodukte aus Soja eine wachsende Nachfrage verzeichneten dank der steigenden Anzahl der „Flexitarier“ in der Gesellschaft. (pio)
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