Robert Tönnies, Mitgesellschafter des Fleischriesen Tönnies, muss im Mammut-Prozess um sein Erbe einen Rückschlag hinnehmen. Das Landgericht Bielefeld hat eine Schadenersatzklage auf 6,83 Mio. € gegen Josef Schnusenberg abgewiesen, berichtet die Lebensmittelzeitung (LZ). Schnusenberg fungierte jahrelang als Testamentsvollstrecker für Roberts Vater Bernd Tönnies sowie als Steuerberater des Konzerns.

Robert Tönnies hatte Schnusenberg falsche Beratung vorgeworfen. Schnusenberg soll Tönnies nicht darüber aufgeklärt haben, dass es steuerlich günstiger ist, Gewinne im Unternehmen zu lassen. Zudem sei der Zinssatz für das Guthaben auf dem Gesellschafterkonto zu niedrig gewesen. Eine Begründung für die Abweisung der Klage lieferte das Gericht beim heutigen Verkündungstermin nicht.

Nach LZ-Informationen haben die zuständigen Richter zwar eine von Vereinbarungen abweichende Verzinsung festgestellt, Vertragspartner sei jedoch nicht Schnusenberg, sondern das Unternehmen. Im Streit um die falsche Anlageberatung sei Schnusenberg hingegen der richtige Adressat für die Klage. Die Richter sahen es jedoch nicht als erwiesen an, dass Robert Tönnies sein Geld im Unternehmen gelassen hätte, wenn er auf die Möglichkeit der Steuerersparnis hingewiesen worden wäre. Die Begründung: Robert Tönnies erfuhr 2012 von der Möglichkeit, durch den Verbleib seines Geldes im Unternehmen Steuern sparen zu können, reagierte jedoch erst 2015 entsprechend.

Gegen die Entscheidung des Gerichts kann Robert Tönnies Einspruch einlegen. Im Fall des Streits um eine angeblich zu geringe Verzinsung klagt er laut Angaben des Bielefelder Landgerichts bereits in einem weiteren Verfahren gegen das Unternehmen. Die Auseinandersetzung ist jedoch nur ein Nebenkriegsschauplatz. Insgesamt laufen eine ganze Reihe weitere Verfahren, unter anderem wegen Falschaussagen gegen Tönnies-Geschäftsführer Josef Tillmann.

Im zentralen Verfahren um die Zukunft des Schlachtkonzerns, in dem Robert Tönnies durch den Wiederruf einer Schenkung die Mehrheit am Unternehmen erlangen und Firmenchef Clemens Tönnies, der derzeit 50 Prozent der Anteile hält, entmachten will, steht die nächste Verhandlung am 7. März an. Parallel arbeiten beide Seite erneut an einer außergerichtlichen Einigung. (az)
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